Felix Sturm … nach dem Kampf ist vor dem Kampf!

Genau 7 Tage nach dem Boxkampf Felix Sturm versus Fedor Chudinov und der in der gleichen Nacht statt gefundenen Pressekonferenz hier nun unser Rückblick auf diesen nicht ganz unspektakulären Kampf:

DSC_0052Der Kampf ging wie angesetzt über 12 Runden, welche nach dem Urteil der Punktrichter in den Runden 1 und 2 für Sturm entschieden wurden, die Runden 4, 5, 6 waren sehr eng und die Runden 11 + 12 gingen wieder an Sturm. Selbst die Experten waren sich hier zunächst nicht einig, wie genau gezählt worden war. Und so gab es in den Tagen nach dem Kampf “heiße” Diskussionen in diversen Box-Foren und eine deutlich gespaltene Meinung zur Bewertung. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Der zwar knappe, aber dennoch eindeutige und vor allem auch verdiente Sieg von Felix Sturm dürfte allgemein feststehen, auch wenn die Enttäuschung des russischen Gegners über seine Niederlage sicherlich sowohl sportlich als auch menschlich nachvollziehbar ist.DSC_0113

Felix boxte nun bei seinem Revanche Kampf gegen Chudinov sehr viel stärker und auch vom Stil her anders als in der Hinrunde, worauf letzterer sicherlich nicht eingestellt war. Dies war bestimmt nicht ganz unbegründet in dem überzeugenden Trainingsstil seines neuen Trainers Magomed Schaburow. trainingAuch war Felix vor dem Kampf sogar von Landsleuten wie Axel Schulz eher “heruntergeredet” worden, der noch am Tag des Kampfes in der Bild Zeitung mit der Aussage “Heute geht Felix Sturm in Box-Rente!” zitiert wurde.

Und dies obwohl er für Deutschland boxt und somit im eigenen Lager doch eigentlich auf Unterstützung hoffen sollte. Berechtigterweise konnte sich daher Sturm in der anschließenden Pressekonferenz im TV einen gewissen Seitenhieb in Richtung Schulz nicht ganz verkneifen, der als Kommentator für Boxkämpfe mittlerweile eine weitaus erfolgreichere Karriere hingelegt hat als beim Boxen selbst.

Insofern hatte das Lager von Chudinov natürlich “leichtes Spiel” gegen Sturm erwartet.

Noch spektakulärer als der ohnehin schon spannende Boxkampf war aber die sich anschließende Pressekonferenz für die Printmedien: das Team Chudinov behauptete sofort eingangs, unfair behandelt worden zu sein und legte demonstrativ die vom Gastgeber Sturm Boxing gestellten Boxhandschuhe vor. Es handelte sich um die vom Hersteller Elvis Phillips Grant hergestellten, handgenähten Boxhandschuhe, welche von fast allen bekannten Profi-Boxern, Champions und Weltmeistern, u.a. auch von den Klitschko Brüdern und nun auch von dem Popsänger Justin Biber getragen werden. Chudinov hatte diese in der Farbe Rot gewählt.

DSC_0172Als er diese nun nach dem Kampf vorlegte, war die Farbe an den Schlagflächen fast vollständig abgewetzt, als Beweisstück lag ebenfalls ein weisses Handtuch bereit, auf welchem rote Farbspuren erkennbar waren.

Wie nun die rote Farbe auf das Handtuch gekommen ist – Felix Sturm habe nach Aussage seines Pressesprechers persönlich an den Handschuhen einen Geruch von Lösungsmittel wahrnehmen können –  mag dahinstehen. Selbst wenn man annehmen wollte, dass es hier zu einer vorzeitigen Ablösung von Farbe gekommen sein sollte, so hatte dies sicherlich keine Auswirkung auf den Ausgang des Boxkampfes. Schließlich hätte in dem Fall vor allem Felix Sturm die rote Farbe der Handschuhe seines Gegners im Gesicht haben müssen und wäre insofern eher der Geschädigte dieses Malheurs gewesen.

Als Höhepunkt stürmte schließlich noch einer der Manager von Chudinov in die laufende Pressekonferenz und forderte lautstark und ungehalten einen umgehenden Rückkampf von Sturm noch im Mai diesen Jahres in Moskau vor Ort, der Fairness halber! Das gesamte Setting musste auf die anwesenden Journalisten und Außenstehende fast wie inszeniert in seiner Dramatik wirken.DSC_0161

Einen solchen Kampf wird es jedoch vor allem so zeitnah nicht geben. Nach Aussage des Managements von Sturm folgt nun zunächst ein Kampf in Sarajevo. Dort gäbe es ein schönes neues Stadion, in welchem Felix kämpfen wolle, da die gesamte dortige Nation – Sturm ist Bosnier – dort “Kopf stände” und ihn wie einen Nationalhelden feiere.

Zu einem möglichen Kampf mit Artur Abraham wollte man sich nicht äußern, dieser müsse zunächst den geplanten Kampf am 09.04. in Las Vegas erfolgreich bestreiten und sich so aus seiner aktuellen Rolle als Außenseiter hervor kämpfen.

Viel sehen würde man jedoch zukünftig von Maurice Weber, dies sei aktuell der einzige Boxer in Deutschland, bei welchem man das Potenzial für eine erfolgreiche Karriere und der Chance auf einen Weltmeistertitel sehe.

Am Rande des Sturm – Kampfes waren natürlich noch einige andere Talente zu sehen, so im Vorkampf der wiederum siegreiche Francesco Pianeta, welcher noch 2013 selbst gegen Klitschko geboxt hatte.

DSC_0013Und eine der Hoffnungen im Frauenboxen, Anja Moskil mit ihrem Trainer Hakan Sayrac, immerhin schon Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft und NRW Meisterin sowie Deutsche Vizemeisterin etc. als Amateurin.

 

Immer gut drauf wie man sieht, die Jungs aus dem Team von First Punch Boxpromotion, waren selbstverständlich auch beim Kampf dabei:

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Deutschlands jüngster Boxprofi Jann Kulik

Jann Kulik mit Trainer Sebastian Tlatlik

Jann Kulik mit Trainer Sebastian Tlatlik

Am Samstagnachmittag fand in Essen Steele in den Räumlichkeiten von „Boxing Industrie“ von Sebastian Tlatlik ein bisher von der Öffentlichkeit eher unbemerktes, für die Deutsche Boxwelt jedoch unter Umständen zukünftig durchaus bemerkenswertes Ereignis statt: der 16-jährige Jann Kulik bestritt seinen ersten Profikampf, welchen er natürlich auch direkt gewonnen hat.

Das hört sich zunächst unspektakulär an, ist es aber nicht!

Denn Jann ist mit seinen 16 Jahren damit gleichzeitig der jüngste Boxprofi in Deutschland.

Einzug in den Ring

Einzug in den Ring

Für Jann ist der Boxsport aber nichts wirklich Neues, im Gegenteil, bereits bis zu seinem 14 Lebensjahr boxte er sich erfolgreich als Amateur durch insgesamt 40 Kämpfe, von denen er ganze 39 siegreich für sich entscheiden konnte. Er war 2 mal Deutscher Meister im Amateurbereich bei den Kadetten U 16 und schließlich Mitglied im Nationalkader bei den Europameisterschaften, wo er im Alter von 14 Jahren bei den Europameisterschaften in Dublin teilnahm. Leider erreichte er dort in einem sehr unglücklich zu seinen Ungunsten entschiedenen Kampf schließlich nur den 5. Platz.

Während des Kampfes ...

Während des Kampfes …

Aufgrund mehrfacher Verletzungen an beiden Daumen – der linke war zweimal gebrochen, der rechte sogar dreimal – hängte er im zarten Alter von 14 Jahren daher den Boxsport zunächst für einen Zeitraum von 2 Jahren „an den Nagel“, hielt sich in der Zeit aber weiterhin im Fitnessstudio mit Bodybuilding fit.

Den Kampf am Samstag gewann Jann in der 3. Runde durch technisches KO (TKO). Allerdings führte er direkt in der 1. Runde mit Punkten, bereits in der 2. Runde wurde sein Gegner Sergei Vib vom Ringrichter angezählt, konnte sich aber zunächst noch in die 3. Runde hinüberretten. Auch ihm gilt unser Respekt, da er sich trotz Janns überlegenem Kampfstil zäher als erwartet auf den Beinen halten konnte.

In der Ecke mit dem Ringrichter

In der Ecke mit dem Ringrichter

Der Vater von Jann ist Christoph Kulik und in Fachkreisen als die personifizierte „Waage“ vor jedem größeren Box-Event im Ruhrgebiet und Umgebung bekannt. So lag das Boxen für Jann natürlich als Wunschsportart nah. Nach der Trennung seiner Eltern entschied Jann sich bei seinem Vater zu bleiben, die Beiden sind quasi unzertrennlich.

Der Gegner muss einiges aushalten ...

Der Gegner muss einiges aushalten …

Neben dem Boxen nimmt sich Jann aber noch viel Zeit für anderes, z.B. zählt Kochen und Backen zu den liebsten Hobbies des 16-jährigen. Am liebsten kocht er asiatisch, was sicherlich auch an dem letzten Urlaub mit seinem Vater in Thailand zusammenhängt. Das Kochen habe er als er noch klein war, von der Oma gelernt, wie er sagt.

Ansonsten fährt er gerne Ski oder geht Laufen. Und im letzten Sommer entdeckte er das alten Rennrad seines Vaters im Keller und hat mit diesem gleich an einem Wochenende die „Tour de Ruhr“ gemacht, von der Quelle aus in Winterberg bis sie in der Nähe von Duisburg in den Rhein mündet.

Rappelt er sich noch einmal auf?

Rappelt er sich noch einmal auf?

Neben diesen ganzen Aktivitäten ist Jann – kaum zu glauben – auch noch ein sehr guter Schüler, der fast nur Einsen schreibt. Seinen Vater jedenfalls fasziniert die Selbstdisziplin seines Sohnes, um nicht zu sagen, dass diese Einstellung ihm selbst das Alltägliche sehr erleichtert.

Auch in Richtung Lebensplanung ist Jann vermutlich so manchem Gleichaltrigen etwas voraus: sein aktueller Berufswunsch sei Maschinenbauingenieur wie er sagt, nachdem er sich zuvor aber auch schon mal als Jurist oder Umweltingenieur gesehen habe.

Das war´s!

Das war´s!

Wir sind jedenfalls weiterhin sehr gespannt und werden Jann beobachten, wie es mit ihm weitergeht, sowohl hinsichtlich seiner Karriere als Boxer als auch privat.

Was das Boxen angeht, meint Jann, werde sein Trainerteam bestehend aus Sebastian und Robert Tlatlik nun zunächst alles Zukünftige weiter planen, das Ganze soll schließlich auch Spaß mit sich bringen. Und jetzt kommt als nächster Termin als allererstes Weihnachten!

In diesem Sinne ganz herzlichen Glückwunsch von uns und weiterhin viel Erfolg!

Nach dem Kampf … Interview mit Samy Musa

Schließen wollen wir unsere Nachbetrachtung zu Samstag mit dem Interview von Samy Musa (First Punch Boxpromotion) beschließen. Auch er hat am letzten Samstag seinen Kampf gegen Jay Spencer gewonnen. Wir gratulieren ganz herzlich!

Samy, wie war Dein Kampf?

Samy mit Jay Spencer beim Wiegen, Pressefoto

Samy mit Jay Spencer beim Wiegen, Pressefoto

Mit Jay Spencer hatte ich am Samstag schon einen extrem starken Gegner. Mit einem 10-0 Record, d.h. 10 Profikämpfe, allesamt siegreich bestritten, war Jay die bisher größte Herausforderung für mich im Profi-Bereich. Er galt als sehr schlagstark, aber auch körperlich äußerst stark. Es war daher wichtig für mich, meine eigene Linie durchzuziehen und mich nicht irritieren zu lassen. Trotzdem war ich die ganze Zeit davon überzeugt, dass ich den Kampf für mich entscheiden würde. Ich will nicht arrogant klingen, aber ich war mir wirklich von Anfang sicher, das „Ding nach Hause zu fahren“.

Was war für Dich die brenzligste Situation am Samstag?

Vor dem Kampf in der Kabine mit dem Cutman

Vor dem Kampf in der Kabine mit dem Cutman

Ich habe mich ein bis zwei Mal auf einen Schlagabtausch eingelassen, der von Jay initiiert wurde. Darauf hätte ich mich eventuell nicht einlassen sollen im Nachhinein, da hätte ich meines Erachtens intelligenter reagieren können in der Situation. Währenddessen war ich nicht so sicher auf den Beinen, meine Qualitäten im Kampf liegen halt ganz woanders.

Es geht in den Ring ...

Es geht in den Ring …

Ich habe dann mehr auf meine Beinarbeit geachtet und quasi den Rückwärtsgang eingelegt. Mir liegt es eher, aus der Distanz zu boxen und ich habe mir während des Kampfes daher ab dem Zeitpunkt immer wieder eine entsprechende Distanz zu meinem Gegner zu verschaffen. Spencer hingegen hat den Schlagabtausch geradezu gesucht, er wollte sich definitiv richtig kloppen.

Woran wirst Du in der nächsten Zeit arbeiten bei Deinem Training?

Sonntag hatte ich erst einmal Ruhetag, ab Montag habe ich wieder mit ein wenig Seilchen springen begonnen und ich werde auch etwas auf den Heimtrainer gehen, ein bisschen Konditionstraining mit leichtem Schwitzen halt, aber eher so ein allgemeines Training, nichts spezielles.

Während des Kampfes mit Jay Spencer ...

Während des Kampfes mit Jay Spencer …

Steht der nächste Kampf schon fest?

Das ist witzig, ich habe direkt in der Nacht nach dem Kampf geträumt, dass ich Chris (Jan Christoph Jasczsuk von First Punch Boxpromotion) gefragt hätte, wann ich denn nun wieder kämpfen kann. Und Chris hat daraufhin gesagt, „Junge, ruh Dich erstmal aus und genieß ein wenig die freie Zeit und Deinen Sieg!“. Aber ganz ehrlich, ich weiß es wirklich noch nicht, ein genaues Datum steht aktuell nicht fest, voraussichtlich kämpfe ich aber wieder im Februar oder März 2016, mal schauen.

In der Ecke … Beratung mit Cutman und Jan Christoph

Die Atmosphäre am Samstag war schon toll, es waren viele Freunde von mir dort, um den Kampf zu sehen. Und das erste Mal sind auch meine Mutter und meine Schwester zu einem Kampf von mir als Zuschauer gekommen. Die Tatsache dass ich im Klitschko Vorprogramm kämpfen durfte und die tolle überwältigende Kulisse bei so einem Event haben mich richtig motiviert. Ich habe mir den Kampf von Robert (Tlatlik) schon in der Kabine vorher im Livestream angeschaut und habe die Atmosphäre insgesamt sehr genossen. Nach meinem Kampf wollte ich dann jedoch zu meiner Schwester und meiner Mutter sowie zu meinen Freunden auf die Tribüne gehen. Dies ging jedoch nicht aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen, welche wegen der vorangegangenen Terroranschläge in Paris bei dem Event herrschten. Sobald ich daher den mir zugeteilten Bereich verlassen hatte, musste ich das Stadion leider ganz verlassen. Dies war mir dann schließlich zu „blöd“, ich bin stattdessen nach Hause gefahren, habe mir eine Pizza beim Italiener geholt und habe mir die letzten beiden Runden vom Klitschko Kampf dort in der Pizzeria zusammen mit einigen Freunden angesehen.

Wie hast Du Dich nach dem Kampf am Sonntag gefühlt?

Gewonnen!

Gewonnen!

Insgesamt habe ich nur drei Stunden geschlafen, ich hatte mich noch später am Abend mit ein paar Kollegen getroffen, die auch im Stadion waren, die ich dort aber nicht gesehen hatte, und wir haben noch etwas gefeiert. Obwohl ich daher erst gegen 6.30 Uhr eingeschlafen bin, war ich am Sonntag morgen eigentlich relativ früh wieder wach, bin dann tagsüber schließlich nach Düsseldorf gefahren, war dort in der Stadt und bin lecker essen gegangen und habe ein wenig das Leben genossen.

Jetzt werde ich mich etwas ausruhen in den nächsten Tagen und den verlorenen Schlaf nachholen, vor dem Kampf habe ich nämlich ziemlich schlecht geschlafen aufgrund der Anspannung, ich war unruhig und bin in der Nacht unzählige Male auf der Toilette gelaufen, da ich zu viel getrunken hatte am Abend vorher und natürlich aufgrund meiner Nervosität.

Nach dem Kampf mit Cutman und Jan Christoph (First Punch)

Nach dem Kampf mit Cutman und Jan Christoph (First Punch)

Danke Samy für das Interview, herzlichen Glückwunsch noch einmal und habe eine entspannte Zeit!

Nach dem Kampf … Interview mit Patrick Korte

Hallo Patrick, herzlichen Glückwunsch auch Dir zu Deinem Sieg im Vorkampf bzw. Eröffnungskampf zum Klitschko Event am letzten Samstag! Lassen wir das Ereignis noch einmal Revue passieren …

Wie hast Du Dich auf Deinen Kampf vorbereitet?

Danach3

Patrick mit seinen Trainern Sebastian Tlatlik + Frank Rose nach dem Sieg

Die Vorbereitungszeit war diesmal wirklich hart, ich habe sehr viel trainiert mit meinem Trainer Sebastian Tlatlik und nach Franks Vorgaben habe ich meine Kondition deutlich verbessert. Besonders brenzlig wurde es, als ich noch eine Woche vorher beim Sparring eine Augenverletzung erlitt. Ich habe einen Handschuh ins Auge bekommen, was zu einer Abschürfung der Hornhaut führte. Ich konnte ein paar Tage lang fast nichts sehen auf dem Auge, pünktlich zum Kampf war zum Glück aber wieder alles ok. Es hat mich nicht mehr beeinträchtigt dabei. Ich war natürlich aufgrund der Größe der Kulisse und des Publikums am Samstag schon extrem nervös vorher. Ich hatte direkt um 19 Uhr den ersten Kampf, den sogenannten Eröffnungskampf. Zu dem Zeitpunkt war schon ein Teil der Leute da, zum Glück noch nicht alle, aber so 500 – 600 Leute waren bestimmt anwesend und haben zugesehen.

Patrik mit Frank beim Tappen

Patrick mit Frank beim Tapen

Ich habe aber trotzdem gut geschlafen in der Nacht davor, am Samstag selbst habe ich tagsüber noch Baby gesittet bis 13 Uhr und auf unsere beiden Kleinen aufgepasst bis meine Frau schließlich um 13 Uhr von der Arbeit nach Hause kam. Das war sogar ganz gut, so war ich wenigstens abgelenkt und konnte mich nicht weiter in meine Nervosität hereinsteigern. In der Kabine habe ich mich dann mit Sebastian erst noch warm gemacht bevor es losging. Wir waren generell etwas unter Zeitdruck, da wir in dem Gewühle dort relativ langwierig einen Parkplatz suchen mussten und ja direkt den ersten Kampf hatten. Daher haben wir sofort losgelegt mit dem Tapen etc. Bei mir wurden die Tapes nicht extra kontrolliert, da ich keinen Titelkampf bestritten habe. Aber generell werden immer für jeden Kämpfer neue Handschuhe vor dem Kampf ausgegeben, meine waren etwas eng am Daumen geschnitten, das war nicht ganz optimal, jedenfalls würde ich mir die persönlich nicht selbst kaufen in der Größe.

Mit Sebastian beim Aufwärmen in der Kabine

Mit Sebastian beim Aufwärmen in der Kabine

Wie war der Kampf selbst?

Mein Gegner Jens Leicht ist erst am Abend vor dem Kampf angereist, wir haben uns daher im Ring zum Kampf das erste Mal „live“ gesehen. Er wurde im Hotel nachgewogen am Freitagabend. Er sollte schon letztes Mal gegen mich kämpfen, da hat er aber kurz vorher abgesagt. Letztlich muss man ihm wirklich zugute halten, dass er nun der erste Gegner von mir war, der den Augenkontakt während des gesamten Kampfes gehalten hat und sich seiner Sache anfangs sogar ziemlich sicher war. Er dachte wohl, mit meinem ersten Schlag, das wäre Zufall. Der Kampf war mit unter einer Minute ziemlich kurz, aber bei mir hat einfach jeder Schlag gesessen. Jens ist zunächst einmal zu Boden gegangen, hat sich aber wieder aufgerappelt und anschließend noch mehrfach im Stehen einen Schlag von mir abgekriegt, da torkelte er schon. Als der Ringrichter dies bemerkte, hat er den Kampf aufgrund TKO (= technischem KO) abgebrochen. Der Ringrichter musste ihm erklären, dass der Kampf zu Ende sei, das hat er gar nicht mehr realisiert und der Ringrichter musste ihn schließlich in seine Ecke zurückbringen, da er diese allein augenscheinlich nicht mehr wieder gefunden hätte.

Es beginnt ...

Ecke … mit Sebastian und Frank

Der Abbruch zu dem Zeitpunkt war aber wirklich besser, er wäre danach nur zum zweiten Mal gefallen und hätte sich nicht mehr aufrappeln können. Das TKO wird grundsätzlich aus gesundheitlichen Gründen für den Unterlegenen ausgesprochen, es wird in dem Fall zeitig abgebrochen, um diesen zu schonen und zu verhindern, dass er bleibende Verletzungen oder Schäden davon trägt, wenn ohnehin klar ist, dass er dauerhaft zu Boden gehen wird.

Ecke2Die Veranstaltung als solche war schon ein Mega-Event, in dieser Größenordnung habe ich das noch nicht erlebt. In der Esprit Arena spielt ansonsten Fortuna Düsseldorf Fußball, es ist eine sogenannte Multifunktionshalle. Es waren eine Menge Prominenter vor Ort. Wir waren während der Vorkämpfe ganz vorne direkt am Ring, hinterher wurden wir leider auf die Tribüne verbannt, als der Hauptkampf begann. Ich bin aber trotzdem bis zum Schluss dageblieben und habe mir auch Klitschko gegen Fury angesehen. Meiner Meinung nach war Fury nicht schlecht, aber Klitschko hat es ihm auch extrem leicht gemacht, der war diesmal nicht gut vorbereitet oder hatte einen schlechten Tag. Ich hätte gedacht, das Klitschko gewinnt, eigentlich fast bis zum Schluss … aber es war schließlich ein faires Punkteurteil für Fury, es sah nicht abgesprochen aus. Überhaupt haben die Beiden sehr fair gekämpft, sportlich, haben nicht blind draufgehauen auf den Anderen und es gab offensichtlich keinerlei Weltmeisterbonus, sondern es wurde komplett neutral gepunktet.Frank

Wie hast Du den Sonntag, den Tag nach dem Kampf verbracht?

Den Sonntag habe ich ganz relaxt mit meiner Familie verbracht, eigentlich fast wie immer, einfach ein ganz normaler entspannter Sonntag. Schön war, dass ich endlich wieder essen konnte, was ich wollte. Ich habe sonntags ohnehin meinen sogenannten „Cheat Day“, d.h. ich darf essen, was ich will. Ich mache immer 6 Tage lang Diät und sonntags habe ich dann quasi „frei“. Aber diesmal war ich zudem völlig ohne Anspannung, das war besonders angenehm. Vor dem Kampf habe ich mich schon die letzten 6 – 4 Wochen in einem extremen Kampfmodus befunden und die Anspannung wuchs langsam, je näher der Kampf rückte. Ich mache jetzt erst einmal eine Woche lang komplett Pause, ein Cheat Day nach dem anderen (lacht) und beginne danach wieder mit einem lockeren Training bis Ende des Jahres. Am 12. Februar ist voraussichtlich mein nächster Kampf angesetzt, er findet wieder in Essen im Recover Fight Club statt.

Kurze Beratung ...

Kurze Beratung …

Bist Du zufrieden mit dem Kampf?

Grundsätzlich ja, auch wenn ich mir vielleicht einen etwas stärkeren Gegner gewünscht hätte. Ansonsten bin ich aber wirklich sehr zufrieden und kann auf das Jahr 2015 als ein erfolgreiches Jahr im Boxen zurückblicken. Netterweise hat Jens Leicht im Anschluss an den Kampf auch noch einen sehr netten Post auf Facebook hinterlassen, in welchem er formuliert, dass man in Deutschland von mir sicherlich zukünftig noch einiges zu sehen bekommen wird.

Gegenüberstellung

Gegenüberstellung

Ursprünglich war als mein Gegner Moses Distino vorgesehen. Dieser hatte erst eine ziemlich „große Klappe“ und hat dann plötzlich am Tag vor dem Wiegen am Freitag einen Rückzieher gemacht. Ich war schon etwas verwundert, seine Freundin hatte mich noch am Abend vorher auf Facebook mit einem seltsamen Post in schlechtem Deutsch beleidigt, was ich erst gar nicht verstanden hatte. Sie behauptete, ich würde Steroide nehmen und ihr Freund würde mich eigentlich umhauen, das wäre nur eine Kopfsache bei ihm. Am nächsten Morgen auf der Waage war er dann nicht anwesend, aber da hatten meine Trainer zum Glück schon den Ersatzmann besorgt. Das war schon ein sehr unfaires Verhalten. Jeder von uns ist vorher angespannt, vor allem bei einem Kampf in der Größenordnung. Aber so kurzfristig abzusagen ist sowohl gegenüber dem Gegner als auch dem Publikum äußerst unfair. Viele meiner Freunde hatten Karten gekauft und die waren diesmal nicht gerade billig. Ich musste da ja schließlich auch durch, die Anspannung etc, das bleibt keinem von uns erspart, so etwas ist feige.

Gewonnen!

Gewonnen!

Mit dem Timing das war sowie etwas problematisch: da ich direkt den Eröffnungskampf um 19 Uhr hatte, aber auch erst ab 19 Uhr Einlass war und dies nach den verschiedenen Blöcken aufgeteilt wurde, war mein Stiefvater beispielsweise leider erst gegen 19.30 Uhr in der Halle. Zu dem Zeitpunkt war mein Kampf aber schon vorbei. Die meisten meiner Kumpels haben den Kampf aber zum Glück noch mitbekommen. Und dafür, dass aufgrund der vorangegangenen Terroranschläge in Paris angeblich die höchste Sicherheitsstufe bei dem Event herrschte, waren die Kontrollen eigentlich ein Witz. So herrschte schon ein gewisses Chaos. Aber es fand trotzdem keine Einzelpersonenkontrolle statt, man konnte einfach so mit seinem PKW in das Parkhaus fahren. Beim Event selbst waren jedoch nicht vorher angemeldete Personen nicht zugelassen. Die Lage ist allgemein zur Zeit schwierig … letztlich wird man meines Erachtens gut geplante und vorbereitete Zwischenfälle bei derartigen Veranstaltungen leider kaum vollständig verhindern können. Die Veranstalter und die Polizei müssen sich erst an diese neue Situation gewöhnen und sinnvolle Konzepte finden. Wenn ich da nur an die ganzen Weihnachtsmärkte zur Zeit denke, am besten ist es immer, selbst wachsam zu sein und die Augen offen zu halten! Das ist mein persönlicher Tipp als Fachmann auf dem Gebiet.

Das Team!

Das Team!

Danke Patrick für Deinen ausführlichen Bericht, und jetzt genieß die freie Zeit, viel Spaß!

 

Nach dem Kampf … Interview mit Robert Tlatlik

Auch in der Nachschau zu dem Event am Samstag haben wir unsere drei Kämpfer wieder interviewt und wollten von Ihnen wissen, wie sie es erlebt haben und ihre eigenen Kämpfe so gelaufen sind. Wir beginnen mit Robert Tlatlik, der am Samstag den Titel des Deutschen Meisters im Superleichtgewicht des BDB gewonnen hat:

Robert, wie fühlst Du Dich vor Deinen Kämpfen?

Robert nach dem Sieg mit seinem Trainer Stefan Freudenreich

Robert nach dem Sieg mit seinem Trainer Stefan Freudenreich

Oh, das ist von Kampf zu Kampf unterschiedlich, aber mittlerweile weiß man ja, was auf einen zukommt. Die Zeit kurz vor dem Kampf ist eher unspektakulär, ich schlafe etwas in der Kabine während der Wartezeit und versuche mich, zu entspannen. Glücklicherweise gab es am Samstag eine klare zuvor festgelegte zeitliche Abfolge. Man weiß daher genau, wann man dran ist. Ich habe mir noch die Kämpfe vor mir angesehen und bin dann langsam in die Kabine gegangen. Der Unterschied dieses Mal war, dass der gegnerische Trainer sich in der gleichen Kabine aufhielt und sich angeschaut hat, wie die Bandagen gewickelt wurden. Da es sich bei mir um einen Titelkampf handelte, kam zudem ein Delegierter vom BDB (= Bund Deutscher Berufsboxer) vorbei und zeichnete die Bandagen ab, d.h. diese werden an mehreren Stellen unterschrieben vom ihm, so dass sie nachträglich nicht mehr verändert werden können.

Weshalb wird dies so gemacht bei den Bandagen?

Robert mit Frank Rose, Heilpraktiker aus Düsseldorf

Robert mit Frank Rose, Heilpraktiker aus Düsseldorf

Na ja, sie schauen, dass man z.B. kein Hufeisen mit einwickelt (lacht), nein im Ernst, es gibt gewisse Regeln, man darf beispielsweise nicht auf nackter Haut tappen und insbesondere die Schlagflächen dürfen nicht getappt werden, dort müssen als erste Schicht Mullbinden drauf. Ich vermute, die Hand würde ansonsten härter, zumindest an der Schlagfläche auf den Knöcheln. Insofern wird aufgepasst, dass die Regeln eingehalten werden durch die Delegierten. Diese zeichnen auch ab, wenn die Handschuhe geschlossen werden vor dem Kampf. Sie dürfen danach nicht mehr geöffnet werden. Natürlich darf man auch keine eigenen Handschuhe benutzen. Dies läuft folgendermaßen ab: am morgen vor dem Kampf werden die jeweils passenden Handschuhe für den jeweiligen Kämpfer ausgewählt, dieser kann sie dann anprobieren etc. und im Anschluss werden die Handschuhe dem Delegierten vom BDB mitgegeben und erst direkt vor dem Kampf am Abend wieder an den Boxer herausgegeben, so dass diese auf gar keinen Fall in irgendeiner Weise manipuliert werden können. Die Handschuhe sind daher immer neu und ungebraucht und sitzen schön eng, das ist meines Erachtens ein großer Vorteil, auch die Qualität war am Samstag gut. Die eigenen Handschuhe sind ja vom jahrelangen Training meist ohnehin schon völlig „weich“ geboxt, diese zu benutzen hätte daher auch unter dem Blickwinkel der Eingewöhnung meiner Meinung nach keinen Sinn.

Nach diesem Prozedere habe ich mich in der Kabine warm gemacht und noch anhand von ein paar Übungen mit meinem Trainer Stefan Freudenreich auf den Kampf vorbereitet, bis ich schließlich aufgerufen wurde und dann war es auch schon soweit!

Bist Du vor dem Kampf aufgeregt gewesen?

Einzug in den Ring, Stefan Freudenreich

Einzug in den Ring, Stefan Freudenreich

Nein, ich bin ehrlich gesagt nicht mehr aufgeregt vorher. Ich habe schon über 100 Kämpfe in meinem Leben bestritten, man gewöhnt sich daran, vor allem an die schönen Dinge, an die tolle Atmosphäre und vor allem wie am Samstag daran, vor einer derartigen Kulisse zu kämpfen. Das passiert natürlich nicht alle Tage. Bei einem Kampf von Klitschko handelt es sich europaweit immer um die größten Veranstaltungen im Boxbereich, das zeigt sich schon an der Größe des Stadions. Die Esprit-Arena wird eigentlich als Fußballstadion genutzt, es war zudem alles von vorne bis hinten durchorganisiert und geplant. Es sind dort zig Leute vor Ort, die dies alles organisieren und verantwortlich dafür sind, dass es reibungslos läuft. Und aufgrund dessen funktioniert dann auch alles „wie geschmiert“. Unten ist stets ein VIP Bereich mit allerlei Prominenten, Schauspielern etc. die man aus dem Fernsehen oder Kino kennt, Axel Schulz moderiert in der Regel und dieses Mal ist noch Rod Stewart aufgetreten und im Anschluss saß er selbst dort unten am Ring und hat zugeschaut.

Wie war der Kampf selbst?

Während des Kampfes mit Said Rahimi

Während des Kampfes mit Said Rahimi

Der Kampf war gut, ich bin wirklich zufrieden. Natürlich habe ich mir diesen im Nachhinein in der Aufzeichnung noch einige Male kritisch angeschaut und selbstverständlich sieht man selbst immer noch an der ein oder anderen Stelle Verbesserungspotential und findet etwas, was man noch besser hätte machen können. Aber insgesamt ist der Kampf schon sehr gut gelaufen, ich habe mich von Runde zu Runde etabliert, 2 Runden habe ich zwar an meinen Gegner abgegeben, aber in der 3. Runde habe ich meinen Gegner bereits so angeschlagen, dass er angezählt wurde. Der Kampf war auf 10 Runden angesetzt, jedoch hat der Ringrichter den Kampf schließlich in der letzten Runde abgebrochen wegen TKO, das heißt „Technisches KO“. Dies bedeutet, dass der Gegner nicht mehr kann und es abzusehen ist für den Ringrichter, dass dieser quasi „fertig“ ist. Mein Gegner war schon ganz wacklig auf den Beinen, es war deutlich erkennbar, dass dieser nicht mehr weiter boxen können würde und sich auch nicht mehr gegen mich würde wehren können. Ein technisches KO sprechen die Ringrichter heutzutage überwiegend aus gesundheitlichen Gründen für den Unterlegenen aus. Es muss nicht mehr ein ganz schweres KO erzielt werden, wie in alten Zeiten.

Der Trainer fiebert mit!

Der Trainer fiebert mit + Cutman Vincent Van Popp kniet davor in Startposition …

So ein technisches KO wird aufgrund der subjektiven Einschätzung des amtierenden Ringrichters ausgesprochen. Dieser hat das Wort und trifft die Entscheidungen, er ist am nächsten dran und wenn er sieht, dass der Unterlegene nicht mehr kann, hat er das Recht, ihn aus dem Kampf rauszunehmen, damit dieser keine unnötigen Schläge mehr kassieren muss. Natürlich würde man selbst als voraussichtlicher Sieger meistens gerne noch etwas weiter kämpfen, um einen eindeutige Sieg für das Publikum zu erringen. Aber diese Entscheidungen sind schon vernünftig. Und selbstverständlich sind die Entscheidungen der Ringrichter nicht willkürlich, sondern diese haben genug Routine und Kampferfahrungen, um sie treffen zu können. Auch werden diese im Nachhinein nochmals kontrolliert und der ein oder andere hat „ein Auge darauf“.

Was sagst Du zu Deinem Gegner?

Gewonnen!

Gewonnen … mit Referee Jürgen Langos!

Said Rahimi war mir völlig unbekannt vorher, ich habe ihn „live“ das erste Mal auf der Waage gesehen. Aber nach dem Kampf haben wir uns noch ganz nett unterhalten, er scheint ein netter Typ zu sein und machte einen sehr freundlichen und sympathischen Eindruck. Auf der Waage habe ich gleich gesehen, dass dieser vom Körperbau her ziemlich durchtrainiert aussah, man nennt dies „trocken“ vom Körper her, d.h. man konnte die Bauchmuskulatur etc. deutlich hervortreten sehen, er hat einen sehr definierten Körper im Gegensatz zu mir jedenfalls (lacht wieder), was für das Boxen eher untypisch ist. Zumindest kommt es glücklicherweise nicht darauf an, sondern darauf wer am besten boxt!

Vor dem Kampf gibt es in der Regel kein näheres Kennenlernen mehr, man sieht sich am Tag vorher morgens beim offiziellen Wiegen, steht sich kurz gegenüber und schaut sich in die Augen beim sogenannten „stare down“, guckt gemeinsam in die Kamera für das Pressefoto und danach sieht man sich erst im Ring wieder zum Kampf. Näherer Kontakt ist zwar vorher nicht verboten, aber es besteht eigentlich kein Interesse daran auf beiden Seiten. Jeder ist für sich und beim Kampf sieht man sich halt wieder!

Was hast Du am Sonntag, dem Tag nach dem Kampf gemacht?

Nach dem Kampf mit Stefan Freudenreich und Jan Christoph Jaszczuk von First Punch

Nach dem Kampf mit Stefan Freudenreich und Jan Christoph Jaszczuk von First Punch

Ich habe erst mal ausgeschlafen, das war sehr schön. Zunächst war ich mit einem guten Freund Kaffee trinken und Kuchen essen, danach war ich natürlich bei meinen Eltern und musste dort nochmal alles vom Kampf am Samstag detailliert erzählen, ansonsten war es sehr entspannt wie immer mit meinen Eltern. Und abends war ich schließlich mit meiner Freundin lecker Steak essen und habe den Abend locker ausklingen lassen. Insgesamt war es daher ein sehr schöner ruhiger Tag.

Robert, wie geht es geht es jetzt weiter?

Zunächst habe ich den Winter über Kampfpause, die Uni steht wieder im Vordergrund, ich muss für zahlreiche Prüfungen lernen. Meinen nächsten Kampf plane ich daher erst wieder im Frühjahr, im März oder April, es gibt noch keine genauen Daten. Grundsätzlich gibt es zwar Wettkampfveranstaltungen schon im Januar oder Februar, aber das muss nicht sein, finde ich. Ich habe gerne über Weihnachten Pause, dann kann ich abschalten, habe ein bisschen Ruhe, um die Vorweihnachtszeit zu genießen. Ich brauche wirklich keinen Kampf am Heilig Abend oder so … apropos … jetzt muss ich auch los, der Weihnachtsmarkt wartet auch mich!

“Ich bedanke mich bei all meinen Sponsoren für die Unterstützung und die Ausstattung (ohne euch wäre das nicht möglich!), meinem Trainer Stefan für die harte Vorbereitungsphase, meinen Trainingspartnern und jedem der mich beim Kampf angefeuert hat und mir die Daumen gedrückt hat.”

Viel Spaß und herzlichen Glückwunsch auch von uns zum errungenen Deutschen Meistertitel im Superleichtgewicht des BDB!

Vorkampf Klitschko – Interview mit Robert Tlatlik

RobertMedallienDas dritte Interview haben wir mit Robert Tlatlik geführt, welcher ebenfalls im Vorkampf zum Klitschko Event am kommenden Samstag zu sehen sein wird. Robert ist 27 Jahre alt, 1,70 m groß und tritt mit einem Kampfgewicht von 63,5 kg, sprich in der Klasse des Superleichtgewichtes an. Er ist amtierender Deutscher Meister bei der GBA in seiner Klasse.

Robert, wie bist Du zum Boxen gekommen?

Eigentlich über einen Freund in der Grundschule, den ich später nach der Schulzeit wieder getroffen habe. Er hat mir von einem Jugendhaus erzählt, wo er öfter zum Boxen hinging und fragte mich, ob ich nicht auch mitkommen wolle. Ich bin der Einladung gefolgt und es hat mir direkt sehr viel Spaß gemacht. Letztlich bin ich sogar alleine weiter dort hingegangen ohne meinen alten Schulfreund. Nach einiger Zeit fragte mich der Trainer, welcher dort lediglich ehrenamtlich nebenbei tätig war, ob ich nicht direkt in den Verein eintreten möchte, den BC Essen Steele. Lustigerweise war mein Bruder Sebastian dort auch schon ohne mein Wissen eingetreten und so hatten wir beide fast gleichzeitig dieselbe Idee!

Da im Jugendhaus ansonsten niemand großartiges Interesse am Boxen hatte, ging ich also in den Verein und intensivierte mein Training, anfangs auf 2-3 mal in der Woche, dann 4 mal und schließlich habe ich sogar täglich trainiert. Ich war damals 14 Jahre alt und habe auch meine ersten Kämpfe bestritten. Ich weiß es noch genau: mein erster Amateurkampf fand im November statt und ich war eigentlich ziemlich erkältet, wollte aber auf keinen Fall den Kampf absagen. So war ich nicht großartig aufgeregt, da ich in erster Linie mit der Erkältung zu kämpfen hatte. Ich war gut vorbereitet und mein Trainer sagte mir, dass der Gegner ohnehin nicht gut sei, den würde ich direkt „weghauen“ seiner Meinung nach. Im Ring habe ich daher sofort „Vollgas“ gegeben und siehe da, in der dritten Runde war bei mir langsam die Luft raus. Ich habe den Kampf trotzdem nach Punkten in der dritten Runde gewonnen. Aber dies war mir eine Lehre, ich sagte mir „Nichts mehr überstürzen zukünftig!“.

Wie ging es weiter mit Deiner Karriere als Boxer, Robert?

Wir sind danach mit dem Verein viel auf sogenannte Sichtungsturniere gefahren, auf denen geschaut wurde, wer so da ist an Gegnern und wer gut gegeneinander kämpfen könnte. Ich habe zunächst die Bezirksmeisterschaften gewonnen für den Bezirk Rhein-Ruhr-Wupper, im Anschluss die Niederrheinmeisterschaft und qualifizierte mich dann für die Westdeutsche Meisterschaft. Bei meiner dortigen Teilnahme habe ich den ersten Kampf gewonnen, bin aber im Finale ausgeschieden: ich wurde also insgesamt zweiter und damit Westdeutscher-Vizemeister! Das war im Jahr 2003, also vor ca. 12 Jahren, also ich noch nicht ganz 15 Jahre alt war.RobertBoxen

Ich habe mich weiter vorbereitet und bin schließlich 5. bei den ersten deutschen Meisterschaften geworden, wo ich wirklich sehr starke Gegner hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich insgesamt 17 Kämpfe bestritten und habe damals nach Punkten verloren. Es folgten zahlreiche Lehrgänge bis zur Teilnahme an der NRW Auswahl sowie der Niederrheinauswahl, Vergleichskämpfe mit Gegnern aus verschiedenen anderen Bezirken, auch international in Polen oder Holland beispielsweise.

Dann bin ich wieder bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften angetreten, diesmal für Heidelberg in der Oberliga. Heidelberg war zu der Zeit Olympiastützpunkt. Ich war noch nicht volljährig und daher war dies damals noch etwas Besonderes in dem Alter, ich musste eine Einverständniserklärung meiner Eltern beibringen sowie ein Gutachten vom Arzt etc. Das klappte aber alles und so machte ich erste Liga-Erfahrungen, dann in der 2. Bundesliga, danach weiter in die 1. Bundesliga. Mit dem Verein in Velbert war ich einige Jahre am Stück hintereinander Deutscher Mannschaftsmeister – ich bin dies 2-3 Mal geworden – es war quasi zur Blütezeit des Vereins, Velbert war zu der Zeit sehr bekannt. Eine Saison lang wurde ich schließlich sogar an den Kölner Verein ausgeliehen, um noch mehr Kämpfe bestreiten zu können. Ich machte eine klassische Bundesligakarriere, nahm an Einzelmeisterschaften teil und war in der Nationalmannschaft aufgestellt. Wir reisten nach Russland, England, nahmen u.a. an internationalen Turnieren in Polen teil und vieles mehr. Es war insgesamt eine sehr interessante Zeit, in welcher ich viel herumgereist bin und jede Menge interessante Leute kennengelernt habe.

Weshalb bist Du schließlich von den Amateuren zu den Profis gewechselt?

In der Amateurzeit habe ich irgendwann die Motivation verloren, da dort leider keine Weiterentwicklung mehr möglich war. Es wurden die vor Ort ansässigen Internatsinsassen oder die Sportsoldaten bevorzugt bei der Auswahl für die Olympiamannschaft. Es gab daher keine realistische Chance, sich wirklich zu steigern oder zu verbessern.

Stattdessen hat sich die Möglichkeit ergeben, bei Stefan Freudenreich in Düsseldorf Profi zu werde. Ich habe ihm meine Situation geschildert und wir haben uns augenblicklich gut verstanden. Es hat einfach gepasst, wie man so schön sagt. Im Jahr 2011 habe ich  meinen ersten Profikampf in Essen bestritten im Vorprogramm einer MMA (Mixed Martial Arts) Veranstaltung. Dort bin ich bei meinem Debut gleich böse umgeknickt, ich hatte noch lange Probleme mit dem Knöchel im Nachhinein, habe aber trotzdem bis zum Ende weiter gekämpft und schließlich durch „KO“ gewonnen.

Wir haben mir dann immer neue Gegner gesucht, die ich auch geschlagen habe, die Vorbereitungen wurden intensiver und spezieller, man hat ausdauernder gearbeitet,  es war völlig anders als im Amateurbereich. Ich habe mich quasi „von Kampf zu Kampf gehangelt“, es wurden internationale Gegner eingeladen, die ich immer wieder besiegt habe. Schließlich habe ich um die Deutsche Meisterschaft gekämpft bei der GBA (German Boxing  Association), welche ich ebenfalls gewonnen habe. Ebenso wie jetzt am Samstag, wo es bei meinem Kampf wieder um die Deutsche Meisterschaft geht. Dieses Mal nur in dem ältesten Deutschen Boxverband, dem BDB = Bund Deutscher Berufsboxer aus Norddeutschland, d.h. dem wichtigsten Boxverband schlechthin in Deutschland.

Wie hast Du Dich auf den Kampf am Samstag vorbereitet?

Ich kämpfe am Samstag gegen Said Rahimi. Er ist genauso groß wie ich und 5. in der Rangliste. Er ist bekannt dafür, gerne „drauf zu hauen“. Aber ich bin wie immer gut vorbereitet, ich habe eine wirklich harte Vorbereitungszeit hinter mir und habe ein gutes Gefühl! Ich habe mich seit Wochen „gequält“ und freue mich jetzt einfach, dass ich endlich kämpfen kann! Es ist schon eine Kunst für sich, so auf den Punkt zu trainieren, dass man genau an dem Tag des Kampfes im Bestzustand ist und entsprechend abliefern kann. Das Training macht Spaß, es ist zwar hart, aber es bringt etwas!

Freudenreich ist sehr bekannt in der Düsseldorfer Boxszene, selbst viele ältere Herren haben in ihrer Jugend oft bei ihm trainiert und erzählen davon.

Möchtest Du noch etwas privat zu Dir sagen, Robert?

RobertHutNach dem Abitur habe ich zunächst ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und im Anschluss daran  noch ein Jahr im Kasino in Duisburg als Croupier gearbeitet, danach noch ein halbes Jahr als Aushilfe und zeitgleich „angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften“ studiert. Den Abschluss als Bachelor mache ich im nächstem Jahr.

Ich bin zwar in Polen geboren, in Oberschlesien, in der Stadt Königshütte. Ich fühle mich aber weder als Pole noch als Oberschlesier, sondern als Deutscher. Ich spreche Deutsch als beste Sprache, meine Eltern kommen beide aus Polen, ich habe die Sprache erst hier gelernt, aber Polnisch kann ich im Endeffekt nur reden, jedoch nicht wirklich schreiben.

Ich habe schon immer in Essen gelebt, wohne dort gerne und habe hier eine schöne Kindheit verbracht.  Im Boxen möchte ich weiterkommen, ansonsten habe ich mich beruflich noch nicht richtig entschieden, die Auswahl ist einfach zu groß.

Mein Onkel lebt seit einigen Jahren in Thailand mit seiner Familie, dort ist alles etwas entspannter als hier. Vermutlich liegt das am Wetter, es ist wärmer dort, das Leben spielt sich vorwiegend draußen ab, auf den Straßen. Den Leuten hier macht ihre Arbeit keinen Spaß, habe ich oft das Gefühl. Man kann dies beobachten, wenn man z.B. frühmorgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt: die Menschen sehen unmotiviert aus auf ihrem Weg zur Arbeit, sie lachen nicht oder kaum, sie sind nicht glücklich meiner Meinung nach.

Ich finde es daher schwierig, den richtigen Beruf zu finden. Im Casino zu arbeiten, hat viel Spaß gemacht, ich habe grundsätzlich kein Problem damit, 40 Stunden oder mehr in der Woche zu arbeiten. Nur leider war es ein Nachtjob, daher lebte man leider an der Familie und den Freunden vorbei.

RobertSingapurMeine Hobbys sind vor allem das Reisen, dafür spare ich hauptsächlich mein Geld. Es muss immer möglichst weit weg gehen, damit ich neue Kulturen kennenlerne und viele neue Eindrücke etc. gewinnen kann. Wenn ich zu Hause bin, gehe ich gerne ins Kino. Ich mag alle Richtungen, Action, Science Fiction oder auch Komödien. Mir gefällt dabei besonders die Atmosphäre im Kino, der Geruch nach Popcorn und das Ambiente. Empfehlen kann ich die Lichtburg hier in Essen, sie hat den größten historischen Kinosaal Deutschlands.

Vorkampf Klitschko – Interview mit Patrick Korte

PatrickbearbeitetEinen weiteren Vorkampf beim Klitschko Event nächsten Samstag bestreitet Patrick Korte. Patrick ist ein echtes „Essener Urgestein“. Gebürtig in Essen Borbeck geboren und immer schon in diversen Clubs und Vereinen dort aktiv, ist er im gesamten Stadtgebiet quasi bekannt wie „ein bunter Hund“. Patrik ist 1,89 m groß, 110 kg schwer und 31 Jahre alt.

Patrick, wie bist Du zum Boxen gekommen?

Ich habe im Jahr 1997 den Boxkampf zwischen Mike Tyson und Francois Botha im Fernsehen, damals noch auf Premiere gesehen. Bis dahin hatte ich diverse Kampfsportarten ausgeübt,  wie beispielsweise Judo oder Taekwondo. Aber als ich den Kampf im Fernsehen sah, da war für mich klar, ich will unbedingt ausprobieren, zu boxen. In dem Essener Fitnessstudio, in welchem ich zu der Zeit Mitglied war, wurde unter anderem ein Kurs zum Boxen angeboten, also belegte ich diesen. Aber man konnte dort natürlich nicht an richtigen Boxkämpfen teilnehmen. Also meldete ich mich in dem Boxverein in Essen Vogelheim an, wo ich auch Kämpfe machen konnte.

Andererseits war mein Werdegang vielleicht schon viel länger vorgezeichnet, wenn ich so zurückdenke: bereits im Alter von 13 Jahren schenkten mir meine Eltern eine Hantelbank zu Weihnachten. Was sollte ich vor dem Hintergrund noch anderes werden als Boxer?!

Im Jahr 2000 trat ich dem Boxverein bei und hatte im gleich Jahr auch direkt meinen ersten Amateur Boxkampf, im Jahr 2013 habe ich schließlich meinen letzten Amateur Boxkampf gemacht. Ich habe dann bis zum Jahr 2002 aktiv geboxt und danach zunächst eine lange Pause gemacht. Erst im August 2013 habe ich wieder mit dem Boxen angefangen und direkt in dem Jahr im Dezember auch meinen letzten Amateurkampf bestritten. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt sofort entschieden, Profi zu werden. Ich hatte bis dahin insgesamt 10 Kämpfe bestritten und davon 7 Kämpfe gewonnen, den letzten im Jahr 2013 natürlich auch. Mein Trainer war durchgängig Franz Stahlschmidt, den ich auch als Gast zu meinen ersten beiden Profikämpfen eingeladen habe.

Die lange Pause zwischendurch bereue ich im nachhinein etwas, denn auch als ich während der Zeit hauptsächlich Bodybuilding etc. gemacht habe, mit dem Herzen war ich immer beim Boxen. PatrickBoxen

Wie kamst Du zum Profi Boxen und weshalb bist Du dorthin gewechselt?

Als ich im Jahr 2013 wieder mit dem Boxen angefangen habe, wusste ich, dass ich unbedingt Profi werden wollte, wenn ich weitermachen würde. Bei den Amateuren gab es einfach keine wirkliche Möglichkeit, vernünftige Kämpfe zu erhalten. Es gab insofern leider keinerlei Perspektive mehr für mich auf eine Weiterentwicklung.  Daher dachte ich, versuch es doch mal bei den Profis. Also nahm ich mit Sebastian Tlatlik Kontakt auf. Sebastian kannte ich noch aus Zeiten des Amateurboxens, ich bin daher auf ihn zugegangen und habe ihn gefragt, ob er mein Trainer und Manager werden könne. Und siehe da, das klappte! Es hat sich relativ schnell etwas getan und jetzt stehe ich da, wo ich bin und bestreite im Vorprogramm zu Klitschko mit dem Trainerteam Sebastian Tlatlik und Frank Rose bereits erfolgreich meinen 3. Profikampf.

Patrick, möchtest Du noch etwas zu Dir privat sagen?

Gerne, also eigentlich bin ich eher ein absoluter Familienmensch. Ich bin verheiratet, habe zwei kleine Kinder, ein sechs Jahre altes und ein drei Monate altes Mädchen. Die Beiden sind mein all und alles, meine Familie ist mir wirklich sehr wichtig.

Jobmäßig bin ich als Sicherheitsfachkraft bei einem größeren Sicherheitsunternehmen beschäftigt und arbeite zudem noch als Personenschützer.

Patrick Korte, Jan Kleen, Sebastian Tlatlik, Frank Rose

Patrick Korte, Jan Kleen, Sebastian Tlatlik, Frank Rose

Da ich zudem sehr verbunden bin mit der Stadt Essen und dort so viele Leute kenne als quasi „Lokalmatador“, würde ich mich in Essen sehr gerne in einem sozialen Projekt engagieren. Einen ersten Schritt haben wir vor einiger Zeit mit Jan Kleen gemacht und seinem Einsatz gegen Mobbing. Aber das richtige Projekt habe ich bisher noch nicht gefunden. Für Vorschläge und Ideen oder Angebote in der Richtung wäre ich daher jederzeit offen!

 

Vorkampf Klitschko – Interview mit Samy Musa

SamyBoxenIm Vorkampf zum Klitschko Event kämpft unter anderem Samy Musa, der bei First Punch Boxpromotion unter Vertrag ist. Wir haben ihm in Hinblick auf seinen Kampf nächsten Samstag ein paar Fragen gestellt:

Samy, wie bist Du zum Boxen gekommen?

Als ich 16 Jahre alt geworden bin, fragte mich mein Vater, „Wie wäre es eigentlich mal mit einem vernünftigen Sport?“ Er ermunterte mich, etwas Neues zu versuchen in der Richtung, bis dahin hatte ich Fußball gespielt, jedoch mit nur mäßigem Erfolg, da ich wenig Zeit hatte tagsüber und hauptsächlich zum Arabisch Unterricht in meiner Freizeit ging. Ich hatte daher auch noch nicht an Spielen oder Turnieren teilgenommen. Der Vorschlag von meinem Vater war daher Boxen oder Kraftsport oder etwas Ähnliches. Ich lies mir dies durch den Kopf gehen und habe es daraufhin versucht.

Insofern boxe ich bereits seit ca. 16 Jahren, ich bin jetzt 32 Jahre alt, habe aber auch zwischendurch immer wieder Pausen gemacht während der Schulzeit oder meiner Ausbildung. Ziemlich schnell habe ich damals gemerkt, Boxen alleine ist es nicht, daher habe ich nebenbei eine Ausbildung als Erzieher begonnen. Dies umfasste zunächst ein einjähriges Praktikum in einem Kindergarten sowie im Anschluss daran eine vierjährige Ausbildung. Seit sieben Jahren bin ich nun beschäftigt in der sogenannten Offenen Ganztagsschule in Krefeld. Ich arbeite dort als Erzieher, täglich bis 16 Uhr, und helfe den Schülern bei ihren Schularbeiten, mache also die Hausarbeitenbetreuung, leite AGs, esse mit ihnen zusammen etc.

Der Vater von Samy kommt aus Palästina, die Mutter ist Deutsche, er ist hier geboren; als er in der 3. Klasse war, hat er aber ein Jahr lang mit seinen Eltern in Jordanien gelebt und hat dort auch Arabisch gelernt. SamyKrawatte

Samy, wie hast Du das Leben dort erlebt?

Wir haben in Jordanien gelebt als ich in der 3. Klasse war. Es ging uns gut, obwohl wir in einem riesigen Camp für Flüchtlinge aus Palästina dort gelebt haben mit dem Namen Muckaiam Albaqua. Es war kein gewöhnliches Camp, die Leute wohnten immerhin in eigenen Häusern, es gab Straßen und eine normale Infrastruktur, die Einwohner hatten Arbeit, alle konnten sich ausreichend zu Essen und zu Trinken kaufen. Es haben jedoch dort ausschließlich palästinensische Flüchtlinge gelebt. Wir waren ca. für ein Jahr da, ich habe die arabische Sprache gelernt und mein drittes Schuljahr absolviert. Es war eine gute Erfahrung für mich, auch wenn ich es oft schwer dort hatte. Ich war für die anderen Kinder meist „der Deutsche“ sowie ich hier in Deutschland leider oft „der Kanake“ bin. Die ersten 6 Monate habe ich eine Privatschule besucht, danach habe ich auf eine staatliche Schule gewechselt, auf welcher es dann auch einfacher war, Kontakt zu den anderen Kindern zu finden und ich keine Außenseiterrolle mehr inne hatte.

Samy, wie bist Du dazu gekommen, eine Ausbildung zum Erzieher zu machen?

Während des 9. Schuljahres sollten wir ein Praktikum machen, ich habe damals meine Mutter gefragt, was ihrer Meinung nach am besten zu mir passen würde und sie schlug mir ein Praktikum im Kindergarten vor. Das hat mir sehr gut gefallen und auch die Erzieherinnen dort sagten am Ende dessen zu mir, dass dies ihrer Einschätzung nach „genau mein Ding“ sei. Also habe ich nach der Schule weiter gemacht und schließlich eine Ausbildung als Erzieher begonnen. Jetzt betreue ich hauptsächlich Kinder bzw. Jugendliche im Alter von 6 oder 7 Jahren bis zum Alter von 9 oder 10 Jahren, also während der 1. bis 4. Klasse. Es ist mir persönlich wichtig, direkten Umgang mit Menschen zu haben, zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln und nicht einen typischen Bürojob zu machen und den ganzen Tag quasi „vor dem PC zu hängen“.

Samy, zum Schluss natürlich noch die Frage zu Deiner Karriere als Boxer und der Vorbereitung auf den Kampf am Samstag:

SamyFirstPunchMein Werdegang als Boxer sah folgenermaßen aus, seit dem 16. Lebensjahr bin ich bei den Amateuren, im Alter von 17 bestritt ich dort meinen ersten Kampf, mit 29 Jahren hatte ich meinen letzten Amateurkampf. Ich wollte immer schon Profi werden, aber es relativ schwierig, jemanden zu finden, der mir Kämpfe als Profi besorgte und mir ein entsprechendes Training anbot. Mit 76 Kilo Körpergewicht und einer Größe von 1,90 m bin ich stets der Größte in meiner Klasse, dem Supermittelgewicht.

Mit Jan Christoph Jaszczuk habe ich endlich nach 2 Jahren Suche jemanden gefunden, der mir Kämpfe besorgt, mein Manager ist, mich trainiert und genau zu mir passt. Als mich First Punch damals angerufen hat, passte alles sofort und ich habe direkt Vertrauen gefasst zu ihm. Auf die Chance, beim Klitschko Event zu boxen, habe ich schon immer hingearbeitet, es war ein Traum von mir. Als ich damals bei Christoph unterschrieb, habe ich dies als mein Ziel bereits visualisiert und daran gedacht. Und siehe da: nun hat es geklappt!

Ich arbeite hart und hoffe das Beste für die Zukunft. Wenn ich an meinen Gegner Jay Spencer denke, bleibe ich eigentlich ganz cool. Er ist bestimmt ein guter Boxer, ich respektiere ihn. Ich gehe positiv in den Ring und werde mein Bestes zeigen und natürlich gehe ich hinein, um zu gewinnen, das ist ja klar. Aber ich möchte nicht überheblich erscheinen und irgendwelche Sprüche klopfen. Ich konzentriere mich auf das Sportliche und bin sehr diszipliniert. That´s it!

SamyOberbürgermeister

Samy wurde zudem gerade zum Botschafter der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von GIBEI Afrika ernannt. Das Foto zeigt ihn zusammen mit dem Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen auf der Mode, Heim und Handwerk Messe in Essen.

King of the Ring I in Oberhausen

Am letzten Samstagabend fand in der Turbinenhalle in Oberhausen die Box – Veranstaltung King of the Ring I statt, bei welcher auch Slaibi Slaibi mit Frank als Trainer einen Kampf bestritt. Nach wenigen Sekunden – der Kampf dauert nicht einmal eine ganze Minute lang – ausgezählt nach genau 45 Sekunden !!! – hatte Slaibi seinen Gegner bereits durch einen gezielten Haken auf dessen Leber besiegt … danach wurde dementsprechend gefeiert !!!

Herzlichen Glückwunsch :-)

Den Kampf samt Einmarsch könnt Ihr im Video unten nachvollziehen:

Teil 2: Boxen lernen mit Slaibi sowie ein Gastbeitrag von Harald Jonischeit zum Olympischen Boxen

Heute wieder ein Beitrag aus der Reihe “Boxen lernen mit Slaibi” zum Gebrauch der Führhand und der Schlaghand:

Harald-Jonischeid

Mein Name ist Harald Jonischeit.

Ich bin Vorsitzender beim Amateur-Box-Club Homberg von 1923, seit 1983 Fachübungsleiter und dem olympischen Boxsport seit rund 45 Jahren verbunden.

 

Olympisches Boxen

Durch die medialen Darstellungen und Berichterstattungen wird der Boxsport zumeist als brutale Profi-Sportart wahrgenommen.

Dabei unterscheiden sich Profiboxen und olympisches Boxen wesentlich.

Generell wird das Boxen zunehmend sowohl als Stressregulation als auch hervorragendes Fitnesstraining  gesehen. Es sicherlich eine Sportart, die nicht nur körperlich herausfordert, sondern auch geistig anspruchsvoll ist.

Ziel ist die gründliche körperliche Ertüchtigung sowie die Ausbildung der Geschicklichkeit, des Reaktionsvermögens und der Förderung des Selbstvertrauens. Sie bilden die Grundlagen für die innere Einstellung eines Sportlers, die von mentaler Stärke, Einsatzbereitschaft und Intelligenz geprägt ist.

Das ganzheitliche Training formt zunächst im Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund, ohne blaue Augen und gebrochene Nasen, aber mit Leidenschaft und Enthusiasmus, und führt zu mentaler Stärke.

Die Ausübung der Sportart erhöht das Selbstwertgefühl, baut aufgestaute Aggressionen ab, fördert die Selbstkontrolle und stärkt das strategische Denken. Man erlangt ein völlig neues und besseres Gefühl zu seinem Körper und zu sich selbst. Das Boxtraining ist eines der allumfassendsten und effizientesten Sportmöglichkeiten überhaupt. Durch die körperliche Anstrengung werden blockierte Energien freigesetzt und man spürt eine unmittelbare befreiende und zentrierende Wirkung. Fairer Kampfgeist und das sportliche Miteinander prägen diese faszinierende Sportart.

Die durch die Fachübungsleiter zu vermittelnden koordinativen und psychischen Anforderungen sind extrem hoch. Dies setzt eine absolute körperliche Fitness voraus. Dabei ist es nicht das vorrangige Ziel, mein Gegenüber KO zu schlagen, sondern den Schlägen meines Gegners auszuweichen und dabei selbst Treffer zu erzielen. Mit Hilfe der bereits vorgenannten und erworbenen körperlichen Eigenschaften ein Strategiespiel. Experten sprechen auch vom Degenfechten mit den Fäusten.

Durch die eins zu eins Konstellation, verbunden mit der permanenten Nähe zum Gegner entsteht beim Boxen eine besondere Drucksituation. Ein anderer Mensch ist immer direkt in deinem persönlichen Raum und versucht dich zu treffen. Es gibt keine Möglichkeit zur Flucht. Das erfordert einen wachen Geist und besondere Klarheit der eigenen Gedanken.

Bei Jugendlichen und Heranwachsenden schult Boxen den Charakter und fördert die persönliche Entwicklung bis hin zu einem positiven Sozialverhalten. Hier ist es unter anderem vorrangiges Ziel, Disziplin und Taktik pädagogisch sinnvoll zu vermitteln, aggressives Verhalten zu steuern und in positive Energie zu wandeln und für die eigene Entwicklung richtig einzusetzen.

Gerade auch jugendliche Straftäter mit den typischen „Karrieren“ (Schulabbruch, Schlägereien, Drogen) finden über den Boxsport zurück auf den richtigen Weg. Städte mit Projekten wie z. B.  „Boxtraining oder Knast“, „Work an BoxCompany“ erzielen nachweisliche Erfolgsquoten von über 80%. Hier dient der Boxsport der Resozialisierung von jugendlichen Straftätern.

Setzt man das Austeilen von Schlägen einmal nicht sofort mit Aggression gleich, sondern betrachtet es als neutrale sportliche Handlung, ist Boxen ein ganz besonders fairer Sport. Die Gegner stehen sich mit ehrlichem Respekt gegenüber. Bewusste Aktionen, die den Gegner schädigen bzw. verletzen sollen, gibt es nicht.

Fazit: gerade für Jugendliche gibt es eine Vielzahl von guten Gründen für das Erlernen und die Ausübung des olympischen Boxsports.

 Bestandteile des Boxtrainings:

• Kondition und Ausdauer

• Krafttraining

• Schulung der Reflexe

• Schnelligkeit

• Technik/Taktik-Schule

• Reaktionsvermögen

• Stretching- und Dehnungsübungen

• Entspannungseinheiten