Der neue kleine Vitamix im Test :-)

Endlich habe ich es über mich gebracht und den (nun nicht mehr ganz) neuen kleinen Vitamix, den S30 erworben! Lange hatte ich mit ihm geliebäugelt, konnte mich aber nicht ganz entscheiden zwischen einem weiteren großen Modell, eventuell einer anderen Marke,  oder einem mobilen kleinen Gerät, welches dann auch urlaubstauglich sein sollte, aber trotzdem die gleiche Leistung wie ein Großer erbringt und damit in der Lage sein sollte, leckere cremige Smoothies und Suppen oder Saucen in gewohnter Qualität zu produzieren :-)

S30vorMixenUnd da es den S 30 nun auch in so vielen verschiedenen neuen Farben gibt, war die Entscheidung wirklich nicht so einfach! Ich habe dann das knallige Rot gewählt, so kann man ihn im Gewusel einer oft von Obst und Gemüse überfüllten Küchenzeile auch nicht übersehen ;-)

Beim Zusammenbauen fällt auf, dass man mehrere kleinere Einzelteile im Gegensatz zum großen Modell zusammendrehen und -stecken muss, so sollte man z.B. auch darauf achten, das Dichtungsgummi nach jedem Mixvorgang einzeln zu reinigen, da sich auch dort Reste vom Pürierten sammeln. Aber die Zerlegung in sämtliche Einzelteile hat hier schließlich den Vorteil, das alles in der Spülmaschine gewaschen werden kann und so ist die Reinigung auf Dauer sehr viel einfacher und bequemer als beim Großen, den man nach einiger Zeit denn doch von Innen mal richtig mit der Hand “schrubben” muss. Neu ist zudem die von Vitamix beigefügte Beschreibung, in welcher empfohlen wird, beim Schichten des zu mixenden Inhalts eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, erst das Grüne, dann weiches Obst etc. und alles etwas zerkleinerter, schon aufgrund des etwas kleineren Behälters. Letztlich ist aber alles ganz easy, der Behälter ist schnell gefüllt, beim Aufsetzen des Deckels ist noch einmal etwas Fingerspitzengefühl gefragt, denn dieser muss nun dank überarbeiteter Konstruktion beidseitig richtig einrasten, d.h. es sollte leise “klack” machen, dann weiss man, dass dieser fest sitzt und nicht im nächsten Moment die weisse Küchendecke in einem Kermit-giftgrün leuchtet :-D  S30Mixen

Wenn man dies beherzigt, sollte aber alles “safe” sein, statt dem gewohnten Hebelschalter hat der S 30 nur einen Drehschalter, dieser leuchtet direkt bei gegebener Stromzufuhr und beim Einschalten dreht man zunächst gegen einen kleinen Widerstand. Zerkleinern sollte man laut Vitamix zunächst auf kleinerer Stufe und dann langsam erhöhen bis man bei voller Umdrehungsgeschwindigkeit den Smoothie schön cremig werden lässt. Während beim Großen auf Höchstgeschwindigkeit denn auch alles in “Null-Komma-Nichts” smooth ist, dauert es beim Kleinen schon ein paar Sekündchen länger. Aber wie optisch erkennbar, reichen auch die 1 PS aus, um eine völlig stückchenfreie sämige Konsistenz zu erreichen. Geschmacklich konnte ich jedenfalls bisher keinen Unterschied bemerken! Wirklich harte Brocken wie Melonenschale, Avocadokerne etc. habe ich allerdings auch nicht versucht.

S30GadgetFazit: der Kleine ist top! Er bringt seine Leistung dem Großen für die gewünschten Zwecke ebenbürtig! Er nimmt wenig Platz weg, lässt sich zumindest bei Reisen mit dem Auto ohne weiteres im Gepäck verstauen und nicht zu vergessen: Vitamix liefert als Gadgets noch zwei durchaus praktische To-Go-Becher in 600 ml Größe mit, welche doppelwandig sind und den Inhalt somit länger kühl oder warm halten! Für den kleineren Single-Haushalt, als Reisealternative zum Großen oder für nur gelegentliches Smoothie- etc. mixen ist der S 30 in jedem Fall ausreichend und eine tolle Ergänzung zu ansonsten doch eher immobilen Großgeräten.

 

 

 

 

 

 

Ich “Wien” dann mal weg …

Ein Kurzurlaub nach Wien ist schnell organisiert, von Deutschland aus bekommt man selbst ein paar Tage zuvor noch preisgünstige Angebote und wenn man sich etwa schon ein, zwei Wochen vor Reiseantritt entscheiden kann, bleibt man leicht mit Hin- und Rückflug unter 100,- €, eine gewisse Flexibilität vorausgesetzt.

Wiener Melange

Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenso zahlreich wie bezahlbar vorhanden. Wer nicht gerade im Steigenberger oder einem anderen Luxustempel im ersten Bezirk absteigen möchte – oder sich dies gezielt leisten will samt verbundenem Ambiente – und gerne ein paar Schritte beim Erkunden einer interessanten Stadt läuft, wird hier bereits ab 45,- € die Nacht im Ibis Budget, gelegen immerhin in der Nähe des Prater Sterns fündig. Nach aufwärts ist selbstverständlich wieder einmal alles, wie in Weltstädten üblich, zu haben!

Kutsche

StraßenschildWien ist in Bezirke eingeteilt und in welchem man sich gerade befindet ist praktischerweise für die Fußgänger und auch andere Reisende auf fast jedem Straßenschild vor dem Straßennahmen erkennbar. Darüber hinaus gibt es Fahrradstationen mit öffentlichen Leihfahrrädern, wie ebenfalls mittlerweile in sämtlichen größeren Städten, an den zentralen Punkten, aber gerade auch in den Randbezirken. Und zufällig beispielsweise auch vor erwähntem Ibis Hotel. Das öffentliche Verkehrsnetz in Wien ist einfach verständlich und überschaubar für ansonsten eher “Nicht-Bahnfahrer”, längs wird alles durch die U1 verbunden und quer durch die U3, Fahrkarten sind einmal entwertet, sowohl für U- als auch S-Bahn gültig und im gesamten Stadtgebiet kostet eine einzelne Fahrt ohne zeitliche Unterbrechungen schlappe 2,20 €. Im Vergleich zu vielen anderen Städten international ein echter Sozialpreis!

So fährt vom Flughafen auch direkt die S7 für ganze 4,40 € innerhalb von 25 Minuten in die City bzw. zum Praterstern, eine günstige Alternative zum Taxi, welches ohne Vorbestellung um die 50 € kostet.

CafeCentralWas schaut man sich in Wien an? Gut, dies bleibt eigentlich jedem selbst entsprechend der persönlichen Vorlieben überlassen. Unsere Empfehlungen lauten, je nach Zeitplan natürlich: den ersten Bezirk, d.h. die Innenstadt ablaufen sowieso! Ein Blick in den Stephansdom werfen, kurz an der Staatsopfer vorbei, durch das Tor zur Spanischen Hofreitschule schreiten und dort den Lipizzanern, welche aus ihren Boxen rausschauen, zuwinken … eventuell eine Kutschfahrt im berühmten “Fiaker” machen.  Nicht zu vergessen, eine Wiener Melange – im Endeffekt ein kleiner Milchkaffee mit aufgeschäumter Milch – in einem der zahlreichen nostalgischen Kaffeehäuser trinken. Einen Kaiserschmarren essen, unbedingt im Café Central! Unter der Woche spielt dort nach alter Kaffeehaustradition Abends ein Pianist. Die Decke wirkt fast sakral mit ihren gotischen Kuppeln. Etwas moderner kommt z.B. das Café Prückel oder das Café Leopold daher.

KaiserSchmarrnDie Kunstausstellungen im Schloss Belvedere sind nett anzuschauen, aktuell gab es dort Egon Schiele und Gustav Klimt zum “Bild der Frau”, nichts ungewöhnliches, sind die Österreicher doch sehr stolz auf ihre beiden vermutlich bekanntesten Maler. Auch im Albertina in der Innenstadt findet man eine ständige Ausstellung zu diesen, ebenso wie im Leopold-Museum. Etwas irritierend im lustigen Sinne war die moderne Ausstellung im Eingangsbereich, so standen dort kleine Schneemannfiguren in einer Vitrine, bezeichnet als “Moderne Kunst” :-) Sind demnach alle Kinder Künstler?!

Ebenso belustigend die Tatsache, dass gerade Egon Schiele wohl eine gewisse Zeit der Besessenheit durchlebte, in welcher er ausschließlich Bleistiftzeichnungen von “masturbierenden Frauen” anfertigte. Ein ganzer Raum hing voll von diesen, das intellektuelle Publikum stand versonnen davor und starrte diese teils minuten- oder gar stundenweise an. Man stelle sich vor, die gleichen kunstbegeisternden Damen finden unter dem heimischen Ehebett einen Playboy, der folgende Ehekrach ist vorprogrammiert … Doch nichts anderes dürften diese Kunstwerke  in der Zeit Ende des 18. /Anfang des 19. Jahrhunderts dargestellt haben.KlimtAusstellung

Ein etwas exotischerer Tipp wäre das Aufsuchen eines der mittlerweile in unserem Nachbarland häufig vertretenen – da zum “medizinischen Gebrauch” freigegebenen Konsums – Hanf-Shops. Kaufen kann man dort vom Samen aufwärts bis zur ausgewachsenen Hanfpflanze alles, samt passenden Düngemitteln und allerlei Gebrauchsuntensilien. Möglicherweise sind die Wiener auch deshalb so entspannt, so wird die alte Kaffeehaus-Tradition “modern” interpretiert fortgesetzt, und dies würde auch das Entstehen so manchen skurrilen, durchaus sehenswerten österreichischen Filmes erklären. Unbedingt anschauen sollte man sich schon zu Hause quasi als Vorbereitung auf den Wien Besuch “Der Aufschneider”, Teil 1 + 2, spielt in Wien und Umgebung, eine etwas untypische Krankenhaussatire über einen “abtrünnigen” Pathologen samt Kollegenschaft. Auf diese Weise erlernt man auch gleich den Wiener Dialekt, ein bisschen Geduld ist bei absoluter Unkenntnis der Sprache oder des österreichischen Charakters und Wortwitzes angebracht. Der Vorteil: mit fortschreitendem Verständnis erschließen sich hier immer neue Pointen ;-)

Der skurrile Humor zeigt sich auch in so mancher U Bahn - Reklame ...

Der skurrile Humor zeigt sich auch in so mancher U Bahn – Reklame …

Vor jedem Österreich Urlaub ohnehin sehenswert ist nachwievor die “Piefke Saga”, “Bad Fuckingen” oder “Der Knochenmann”.

Im Frühjahr, wenn es wärmer wird oder an lauen Sommerabenden setzt man sich schließlich mit einem Bier an die Donau, gesundheitsbewusster ist es, an dieser entlang zu Joggen. Man hat ohnehin den Eindruck, dass auf gesunden Live-Style in Wien sehr viel wert gelegt wird, es gibt viele Bio-Läden, selbst in der Innenstadt zahlreiche Bio-Bäckereien, aber auch Saftbars, Grüne Smoothie Bars oder Salat-to-go-Läden. Modernere Restaurants führen neben den sonst bekannten Mehlspeisen eine Vielzahl an gesunden Gerichten und in einigen Hotels findet sich bereits ein Veganes Frühstücksangebot. Und ein leckeres veganes Eis gibt es jetzt in den ersten Sonnenstrahlen bei “Eis Greisler” oder “Veganista” allemal …

VaseblauEbenso erfreulich: in fast allen größeren Café Häusern + Restaurants findet sich ein WLAN – Hotspot für einfaches Gratis Surfen, dies auch auf verschiedenen öffentlichen Plätzen der City, so ist die sogenannte Innere Stadt, der 1. Bezirk, fast vollständig abgedeckt, aber z.B. auch das Museumsquartier, wo man in der Sonne gemütlich auf den dort aufgebauten Liege-Installationen chillen kann, und in den Hotels sowieso.

Wien ist insgesamt vom Spirit her eine sehr moderne Stadt – so viele vegane Restaurants oder hippe Schmuck- und Designerläden wie im 7. Bezirk dürfte man sonst nur in Berlin finden – hinter einer sehr dekorativen stilvollen sowie historischen Fassade.

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Links im Bild “Streetart” in Wien :-)

Dies war “der erste Streich” … der zweite folgt sogleich, dann stellen wir Euch konkrete Tipps zum Chillen, Shoppen oder Essen und Trinken vor!

 

 

 

 

 

Felix Sturm … nach dem Kampf ist vor dem Kampf!

Genau 7 Tage nach dem Boxkampf Felix Sturm versus Fedor Chudinov und der in der gleichen Nacht statt gefundenen Pressekonferenz hier nun unser Rückblick auf diesen nicht ganz unspektakulären Kampf:

DSC_0052Der Kampf ging wie angesetzt über 12 Runden, welche nach dem Urteil der Punktrichter in den Runden 1 und 2 für Sturm entschieden wurden, die Runden 4, 5, 6 waren sehr eng und die Runden 11 + 12 gingen wieder an Sturm. Selbst die Experten waren sich hier zunächst nicht einig, wie genau gezählt worden war. Und so gab es in den Tagen nach dem Kampf “heiße” Diskussionen in diversen Box-Foren und eine deutlich gespaltene Meinung zur Bewertung. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Der zwar knappe, aber dennoch eindeutige und vor allem auch verdiente Sieg von Felix Sturm dürfte allgemein feststehen, auch wenn die Enttäuschung des russischen Gegners über seine Niederlage sicherlich sowohl sportlich als auch menschlich nachvollziehbar ist.DSC_0113

Felix boxte nun bei seinem Revanche Kampf gegen Chudinov sehr viel stärker und auch vom Stil her anders als in der Hinrunde, worauf letzterer sicherlich nicht eingestellt war. Dies war bestimmt nicht ganz unbegründet in dem überzeugenden Trainingsstil seines neuen Trainers Magomed Schaburow. trainingAuch war Felix vor dem Kampf sogar von Landsleuten wie Axel Schulz eher “heruntergeredet” worden, der noch am Tag des Kampfes in der Bild Zeitung mit der Aussage “Heute geht Felix Sturm in Box-Rente!” zitiert wurde.

Und dies obwohl er für Deutschland boxt und somit im eigenen Lager doch eigentlich auf Unterstützung hoffen sollte. Berechtigterweise konnte sich daher Sturm in der anschließenden Pressekonferenz im TV einen gewissen Seitenhieb in Richtung Schulz nicht ganz verkneifen, der als Kommentator für Boxkämpfe mittlerweile eine weitaus erfolgreichere Karriere hingelegt hat als beim Boxen selbst.

Insofern hatte das Lager von Chudinov natürlich “leichtes Spiel” gegen Sturm erwartet.

Noch spektakulärer als der ohnehin schon spannende Boxkampf war aber die sich anschließende Pressekonferenz für die Printmedien: das Team Chudinov behauptete sofort eingangs, unfair behandelt worden zu sein und legte demonstrativ die vom Gastgeber Sturm Boxing gestellten Boxhandschuhe vor. Es handelte sich um die vom Hersteller Elvis Phillips Grant hergestellten, handgenähten Boxhandschuhe, welche von fast allen bekannten Profi-Boxern, Champions und Weltmeistern, u.a. auch von den Klitschko Brüdern und nun auch von dem Popsänger Justin Biber getragen werden. Chudinov hatte diese in der Farbe Rot gewählt.

DSC_0172Als er diese nun nach dem Kampf vorlegte, war die Farbe an den Schlagflächen fast vollständig abgewetzt, als Beweisstück lag ebenfalls ein weisses Handtuch bereit, auf welchem rote Farbspuren erkennbar waren.

Wie nun die rote Farbe auf das Handtuch gekommen ist – Felix Sturm habe nach Aussage seines Pressesprechers persönlich an den Handschuhen einen Geruch von Lösungsmittel wahrnehmen können –  mag dahinstehen. Selbst wenn man annehmen wollte, dass es hier zu einer vorzeitigen Ablösung von Farbe gekommen sein sollte, so hatte dies sicherlich keine Auswirkung auf den Ausgang des Boxkampfes. Schließlich hätte in dem Fall vor allem Felix Sturm die rote Farbe der Handschuhe seines Gegners im Gesicht haben müssen und wäre insofern eher der Geschädigte dieses Malheurs gewesen.

Als Höhepunkt stürmte schließlich noch einer der Manager von Chudinov in die laufende Pressekonferenz und forderte lautstark und ungehalten einen umgehenden Rückkampf von Sturm noch im Mai diesen Jahres in Moskau vor Ort, der Fairness halber! Das gesamte Setting musste auf die anwesenden Journalisten und Außenstehende fast wie inszeniert in seiner Dramatik wirken.DSC_0161

Einen solchen Kampf wird es jedoch vor allem so zeitnah nicht geben. Nach Aussage des Managements von Sturm folgt nun zunächst ein Kampf in Sarajevo. Dort gäbe es ein schönes neues Stadion, in welchem Felix kämpfen wolle, da die gesamte dortige Nation – Sturm ist Bosnier – dort “Kopf stände” und ihn wie einen Nationalhelden feiere.

Zu einem möglichen Kampf mit Artur Abraham wollte man sich nicht äußern, dieser müsse zunächst den geplanten Kampf am 09.04. in Las Vegas erfolgreich bestreiten und sich so aus seiner aktuellen Rolle als Außenseiter hervor kämpfen.

Viel sehen würde man jedoch zukünftig von Maurice Weber, dies sei aktuell der einzige Boxer in Deutschland, bei welchem man das Potenzial für eine erfolgreiche Karriere und der Chance auf einen Weltmeistertitel sehe.

Am Rande des Sturm – Kampfes waren natürlich noch einige andere Talente zu sehen, so im Vorkampf der wiederum siegreiche Francesco Pianeta, welcher noch 2013 selbst gegen Klitschko geboxt hatte.

DSC_0013Und eine der Hoffnungen im Frauenboxen, Anja Moskil mit ihrem Trainer Hakan Sayrac, immerhin schon Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft und NRW Meisterin sowie Deutsche Vizemeisterin etc. als Amateurin.

 

Immer gut drauf wie man sieht, die Jungs aus dem Team von First Punch Boxpromotion, waren selbstverständlich auch beim Kampf dabei:

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Boxmuseum Wien, Box Union Favoriten

IMG_1917Bei seinem letzten Aufenthalt in Wien nutzte Frank die Zeit und schaute sich das Boxmuseum von Alfred Marek im 10. Bezirk an. Das Boxmuseum ist angeschlossen an den Boxclub „BUF“ – Box Union Favoriten – und hält nicht nur in Österreich und in Europa, sondern möglicherweise weltweit die hochwertigste Sammlung von Originalen der Geschichte des Boxens von Deutschland und Österreich bis einschließlich dem Jahr 1945 bereit. Zudem ist der BUF ein wirklicher Kult Club für Leute, die sich mit dem Boxen auskennen oder an dem Sport interessiert sind. Der BUF hat zudem bis heute die meisten Meister in der Geschichte Österreichs hervorgebracht und ist damit der erfolgreichste Boxclub hier vor Ort.

IMG_1939Ein Besuch lohnt sich jedenfalls immer, sofern man sich gerade in Wien aufhält.

Kommt man herein findet man sich direkt in einer Art Salon wieder, eingerichtet mit antiken Möbeln, jeder Menge alter Bilderrahmen und nostalgischer Beleuchtung sowie historischen Blumentöpfen, Fachbegriff Cachepot, aus der Zeit des Art Deko, Jugendstil oder Art Nouvelle. Als Gast erhält man in diesem stilvollen Ambiente zudem auf Wunsch auch einen Kaffee serviert, welcher durchaus geschmacklich mit der berühmten Wiener Kaffeehaus Kultur mithalten kann. Gesüßt wird dieser allerdings mit Stevia statt mit handelsüblichem Zucker. Fredi, so wird er von Freunden genannt, und seine Freundin Christiane sind nämlich moderne, gesundheitsbewusste Menschen.

Fredi & Christiane

Fredi & Christiane

Neben der historischen Einrichtung, Fredi sagt hierzu „er bevorzuge Blumenvasen und –töpfe sowie Keramik aus Frankreich, Möbel aus Deutschland aus der Zeit des Jugendstils und Historismus sowie der Renaissance und Lampen bzw. Beleuchtungskörper aus Italien, letztere vorzugsweise verziert mit Drachen und Dämonen, heute würde man sagen im Gothic Style“ – alles Originale, u.a. bereits aus der Zeit Napoleons stammend. So kann man sich vorstellen, dass der Boxclub mit angeschlossenem Museum ein ganz besonderes Ambiente und auf seine Art auch eine sehr außergewöhnliche Atmosphäre versprüht.

Ein persönlicher Geheimtipp von Fredi für Deutschland ist im übrigen das Boxmuseum von Kai Uwe Jahn auf Rügen, welcher ebenfalls eine Sammlung von alten Originalen zu besitzen scheint, da dieser regelmäßig bei einschlägigen Auktionen mitsteigert.

Die Sammlung von Fredi lässt sich grob in drei Teile aufgliedern:

Präsident des BCF und gleichzeitig bekanntester Strafverteidiger Österreichs Rudolf Mayer

Präsident des BCF und gleichzeitig bekanntester Strafverteidiger Österreichs Dr. Rudolf Mayer

Zum einen in die Memorabilien, als da wären Schärpen, Pokale und Boxgürtel, selbstverständlich allesamt Originale aus der damaligen Zeit, nichts davon ist nachgemacht oder gefakt, wie Fredi stolz berichtet. Die Vitrinen, in welchen diese ausgestellt sind, sind ebenfalls echt antik. Weitere Stücke wie Plakate und Urkunden werden in antiken Rahmen an der Wand präsentiert. Und es gibt keine Plastikfiguren oder nachgemachtes, wie beispielsweise Mike Tyson als „Wurstelbrater“ oder ähnliches wie in Amerika durchaus vorstellbar wäre, wie Fredi mit einem zwinkernden Auge auf solche Städte wie Las Vegas anspielt.

Den zweiten Teil machen die Box-Zeitschriften aus: hier sind sämtliche Jahrgänge komplett gebunden vorhanden, aufbewahrt in einem antiken Bücherkasten, beispielsweise die deutsche Zeitschrift „Der Boxsport“ komplett von 1920 dem Zeitpunkt des Erscheinens IMG_1928der ersten Ausgabe an bis 1945 einschließlich sowie „Die Boxwelt“ und „Die Boxwoche“, dies sei absolut einzigartig lässt Fredi uns wissen. Ebenso die in Österreich erschienene Zeitschrift „Der Boxring“ seit dem Jahrgang ihres Erscheinens 1924 aufwärts, „quasi im druckfrischen Zustand“, wie er stolz berichtet, und die „La Boxe“ für Frankreich von 1910 an aufwärts. Die Franzosen hätten damals mit dem Boxen als Sportlicher Disziplin angefangen, es sei in den Anfangsjahren dort sehr viel eher verbreitet gewesen als in den anderen Europäischen Ländern, gerade auch als in Deutschland oder Österreich.

Ankündigung Kampf Georges Carpentier

Ankündigung Kampf Georges Carpentier

So ist Georges Carpentier schon im Alter von 17 Jahren als Europameister vom Weltergewicht bis schließlich als Weltmeister im Schwergewicht, in der Kategorie durften anfangs nur Menschen weißer Hautfarbe boxen, wie Fredi aufklärt, sowie in späterer Folge Weltmeister im Halbschwergewicht auf einem von Fredis Original-Plakaten zu sehen (Foto).

Marcel Thiel war in den 30-iger Jahren Weltmeister und habe zu der Zeit noch die ganzen amerikanischen Superstars unter den Boxern „weggeschlagen“ wie er sagt, beispielsweise den Schwarzen „Gorilla Jones“, der sogar regierender Weltmeister zu der Zeit war. So hätten auch die Wiener Boxer vor dem Anschluss ans Deutsche Reich allesamt bereits in Frankreich geboxt. Viele waren zunächst Deutsche Meister und im Anschluss Europameister, wie Heinz Lazek, jeweils im Halbschwergewicht und LazekSchwergewicht, oder Karl Blaho im Weltergewicht (Foto), und schließlich der Dritte im Bund, Ernst Weiss im Fliegengewicht, Bantam- und Federgewicht.

Die dritte Kategorie von Fredis Sammlung bilden letztlich die ca. 5.000 Fotos, größtenteils alles Originalfotos aus der Zeit von vor 1945, zum Teil handsigniert von den damaligen Boxstars, zusammen mit den zugehörigen Programmheften zu den Kämpfen, den Kampfpässen, den Eintrittskarten sowie sogar privater Briefe einiger ehemaliger Stars, z.B. von Ernst Weiß, an einige seiner Fans, natürlich ebenfalls handgeschrieben. Auch dies wieder sämtlich Originale aus ihrer Zeit.

So sei der Gesamtwert seiner Sammlung überhaupt nicht mehr schätzbar für Liebhaber, würde man sich nur die Summen anschauen, welche aktuell in Amerika für historische Einzelstücke erzielt werden, wie beispielsweise letztens erst für einen Weltmeisterpokal von Sullivan in der Größe von 10-20 cm ganze 100.000 Dollar vom Käufer gezahlt wurden.

Schauen wir uns zum Schluss noch einige der Fotos genauer an:

IMG_1823Auf einem sehen wir Anton Schnedel, davor auf dem Tisch liegend ein österreichischer Gürtel aus dem Jahr 1930.

Das zweite zeigt Boxutensilien wie Kopfschutz und Boxschuhe von Anton Schnedel aus den 1970-iger Jahren, dort gewann er die 3. Amateureuropameisterschaft 1965 in Berlin, wurde anschließend Profi und boxte u.a. gegen Eckehard Dagge, den deutschen Weltmeister, sowie den englischen Weltmeister im Mittelgewicht Alan Minter. Der gesamte Werdegang Schnedels sei in der Sammlung dokumentiert. Auch finden sich dort die Handschuhe, welche Schnedel und Dagge damals bei ihrem Kampf gegeneinander trugen, denn Schnedel hatte damals die Handschuhe von beiden nach dem Kampf als Souvenir „mitgehen“ lassen, was zu der Zeit noch als ziemlicher Affront angesehen wurde laut Fredi. Schnedel – sein Spitzname war „Toni Schnedel Eisenschädel“ seinerzeit – ist mittlerweile 74 Jahre alt und zudem leider an Parkinson erkrankt, zum Boxen komme er jedoch immer noch in den Club, dies lasse er sich nicht nehmen.IMG_1837

Ein Plakat aus Frankreich zeigt schließlich Joe Albert, den ehemaligen Österreichischen Meister im Fliegengewicht – auch dieser boxte gegen die drei oben genannten österreichischen Meister, „er hat jedoch immer gegen den Weiß verloren“ wie Fredi lachend berichtet, und „hat leider in anderen Gewichtsklassen nicht gewonnen, bzw. sei nicht darüber hinausgekommen“. In seinen Anfangsjahren bestritt er viele Kämpfe in Frankreich, vornehmlich in Paris. Er war zudem im Alter Inhaber eines Szenelokals im ersten Bezirk in Wien, welches direkt hinter dem berühmten Gartenbaukino lag, wo er eine Vielzahl seiner und anderer historischer Box-Fotos ausgestellt hatte. Deren Aufkauf stellte für Fredi damals den Beginn seiner eigenen Sammlung dar, allein dieser nun eher kleine Teil, stellte zu seiner Zeit schon die größte Sammlung zum Boxsport in Österreich dar. Für Fredi war diese eher ein „Zufallsfund“, lange Zeit galt sie als verschollen, bis Fredi sie quasi als „an der Seite im Dreck stehende Kiste“ auf einem Flohmarkt entdeckte.IMG_1827

Lange könnte man noch weitere Anekdoten und Details zu den einzelnen Stücken erzählen, aber eindrucksvoller ist es sicherlich, selbst einmal vorbeizuschauen im BUF.

Die Internetadresse des BUF findet Ihr unter www.boxgym.at mit einer Extraseite direkt für das Boxmuseum. Auch für Fernsehproduktionen, Modenschauen oder Plattenpräsentation mit Livemusik ist die Lokalität schon gebucht worden, wie man dort sieht.

Wir hoffen, wir konnten Euch für einen Besuch ebenfalls begeistern!

 

Die Damenumkleide … mit Versace Kacheln gefliest!

Die Damenumkleide … mit Versace Kacheln gefliest!

 

Interview mit Boxtrainer Michael Kozlowski

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Michael (links) mit seinen Schützlingen, in der Mitte Christina Hammer (im türkisen Shirt)

Im Dezember haben wir noch ein Interview mit dem in Fachkreisen durchaus berühmt und berüchtigten Boxtrainer Michael Kozlowski aus Brooklyn in New York City per Skype durchgeführt. Zum Jahresbeginn 2016 nun dieses ganz besondere Schmankerl für Euch:

Mitte Dezember 2015 war auch gerade Christina Hammer, Deutsche Boxweltmeisterin im (Super-) Mittelgewicht bei Michael zu Besuch. Sie machte zu der Zeit für zwei Wochen Urlaub in New York und schaute natürlich wie für jeden interessierten Boxer typisch, im berühmten Gleason´s Gym in Brooklyn vorbei, in welchem Michael als Trainer arbeitet, um seinen Boxstil mal kennenzulernen.

Die beiden haben sich sehr gut verstanden, schon allein aufgrund ihrer gemeinsamen Historie: beide stammen aus Kasachstan.

Michael ist in den USA in der Boxszene eine echte Berühmtheit, aber auch international hat er in der Vergangenheit bereits einigen amtierenden Boxstars durch seine überzeugenden Trainingsmethoden wesentlich zu ihrem Erfolg verholfen. Und in Fachkreisen gilt er ohnehin schon seit Jahren als einer der besten Boxtrainer weltweit.

Michael beim Training

Michael beim Training (Foto@FirstPunch)

Michael ist aktuell 55 Jahre alt, er ist wie erwähnt in Kasachstan geboren und bezeichnet sich selbst als einen Trainer mit einem „Old-School-Style“, d.h. in seiner Sprache er macht kein großes Spektakel, sondern er achtet zunächst auf die harte Arbeit für die Kämpfer, was innerhalb einer sogenannten „Society of Spectacles“ wie Amerika es generell ist, eine Ausnahme darstellt. Er selbst ist Vater von insgesamt drei Kindern, zwei erwachsenen Töchtern sowie einem zum Zeitpunkt unseres Interviews gerade erst 3 Wochen alten Sohn.

Das Dorf, in welchem Michael Kozlowski in Kasachstan geboren wurde, bestand nach seiner Aussage aus ganzen 11 Häusern insgesamt. Jeder spielte dort  damals „Hockey“, er natürlich auch und im Alter von 10 oder 11 Jahren träumte er bereits davon, mal ein großer Champion zu werden, wenn er älter sei und vor allem natürlich, berühmt zu werden. Und auch wenn er bald schon merkte, dass er dies selbst als Sportler eher nicht schaffen würde, so gab er diesen Traum niemals auf und hat es nun somit als Boxtrainer zu einem sehr hohen Bekanntheitsgrad in Fachkreisen geschafft.

Gerade in einem Pflaster wie New York City ist dies nicht allzu einfach: so gibt es allein in New York City offiziell 700 registrierte Boxtrainer. Da sich aber nicht jeder von ihnen registrieren lässt, ist mit einer reellen Zahl von vermutlich mindestens 1.000 Trainern oder mehr dort in der Gegend zu rechnen.

Im Jahr 2012 erhielt Michael Kozlowski schließlich die Auszeichnung des „Coach of the Year“, da er in dem Jahr insgesamt drei seiner Boxer zu Champions mit mindestens einer gewonnen Gold-Medaille und einem weiteren mit Silber-Medaille gemacht hatte.

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(Foto@FirstPunch)

Gold gab es damals für Yegor Plevako, Juan Roman und Kamil Abdulshanov, Silber für Jeremy Fiorention. Koslowski formte somit erstmals in der Geschichte der „New York Golden Gloves“ Turniere ein sogenanntes „Goldenes Team“.

Michael war zudem einer der letzten russischen Trainer, welcher eine Auszeichnung vom Staat in Russland erhielt. Als Boxtrainer begann er dort bereits in den 80er Jahren zu arbeiten.

Schon im Jahr 1995 verließ er aber Russland, da er dort keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten für sich in der Zukunft sah. Interessanterweise genau zu dem Zeitpunkt, als sich dort im Boxen stilmäßig alles änderte und sich der von ihm eingeführte Stil fast durchgesetzt hatte. Zuvor wurden die Kämpfe dort regelmäßig nach 3 Runden beendet, er aber hatte einen neuen härteren Stil entwickelt, der über mehrere Runden ging. Es wurde seiner Aussage nach wesentlich stärker an der Abwehr gearbeitet, es war fast „wie im Ballett“, man „umtänzelte“ quasi den Gegner, es wurde vermehrt auf Beinarbeit geachtet.

In Amerika fand er als dort vorherrschenden Stil jedoch ein sehr hartes Boxen vor, die Kämpfer hätten sich seiner Aussage nach fast gegenseitig geradezu “gekillt”. Er aber hat seinen Stil auch dort beibehalten und so langsam in der gesamten Szene durchgesetzt, während er diesen über die Jahre sogar noch weiter verfeinerte.

Auch ganz kleine Leute werden trainiert :-)) Foto@FirstPunch

Auch ganz kleine Leute werden trainiert :-) Foto@FirstPunch

Der Weg von Michael vor Ort in Amerika begann direkt im legendären Gleason´s Gym. Als er dort ankam, arbeiteten die Trainer seiner Beobachtung nach quasi wie „Waiter“ als Kellner gegen Trinkgeld, die meisten hatten nicht einmal eine richtige Ausbildung als Boxtrainer. Er aber hatte den Ehrgeiz, es von Anfang an anders machen und hat mit seinen Schützlingen sehr hart trainiert und gearbeitet – er war tagein tagaus im Gym. Es gab keine Nettigkeiten! Auf diese Weise erarbeitete er sich schnell einen gewissen Ruf, ebenso wie durch seine völlig anderen Trainingsmethoden.  Er war nicht nur freundlich, sondern er verlangte seinen Kämpfern regelrecht etwas ab und forderte diese. Nun, berichtet er stolz, schreit er die Boxer an, um diese zu Höchstleistungen anzutreiben und sagt diesen ehrlich und offen ins Gesicht, was ihm nicht passt und was verbesserungswürdig ist, und dafür bezahlen sie ihn und wenn er sie noch lauter anschreien würde, sagt er, würden sie ihm vermutlich noch mehr bezahlen seiner Meinung nach. Übersetzt heißt dies, sie wissen seine Strenge und Härte zu schätzen. Der Erfolg gab und gibt ihm schließlich recht!

Das Training ist hart, aber effektiv … (Foto@FirstPunch)

Das Training ist hart, aber effektiv … (Foto@FirstPunch)

Michaels Ansicht nach ist neben der strengen Disziplin, die er verlangt, zudem das entscheidende Kriterium im Boxsport die Beherrschung der richtigen Technik. Entweder ein Kämpfer ist, wie er es nennt „blessed“, dann kann dieser alles schaffen und Champion werden, oder er ist es nicht. Im letzteren Fall habe es leider oft keinen weiteren Sinn, mit diesem zu arbeiten. Auch solche Fälle gibt es und diese müsse man klar erkennen und entsprechend handeln.

Wer in New York Urlaub macht und am Boxsport interessiert ist, sollte es sich daher nicht entgehen lassen, einen Abstecher nach Brooklyn zu machen und im Gleason´s vorbeizuschauen! Die Seite von Michael lautet Boxingcoachmike.com

Teil 2 folgt!

 

Deutschlands jüngster Boxprofi Jann Kulik

Jann Kulik mit Trainer Sebastian Tlatlik

Jann Kulik mit Trainer Sebastian Tlatlik

Am Samstagnachmittag fand in Essen Steele in den Räumlichkeiten von „Boxing Industrie“ von Sebastian Tlatlik ein bisher von der Öffentlichkeit eher unbemerktes, für die Deutsche Boxwelt jedoch unter Umständen zukünftig durchaus bemerkenswertes Ereignis statt: der 16-jährige Jann Kulik bestritt seinen ersten Profikampf, welchen er natürlich auch direkt gewonnen hat.

Das hört sich zunächst unspektakulär an, ist es aber nicht!

Denn Jann ist mit seinen 16 Jahren damit gleichzeitig der jüngste Boxprofi in Deutschland.

Einzug in den Ring

Einzug in den Ring

Für Jann ist der Boxsport aber nichts wirklich Neues, im Gegenteil, bereits bis zu seinem 14 Lebensjahr boxte er sich erfolgreich als Amateur durch insgesamt 40 Kämpfe, von denen er ganze 39 siegreich für sich entscheiden konnte. Er war 2 mal Deutscher Meister im Amateurbereich bei den Kadetten U 16 und schließlich Mitglied im Nationalkader bei den Europameisterschaften, wo er im Alter von 14 Jahren bei den Europameisterschaften in Dublin teilnahm. Leider erreichte er dort in einem sehr unglücklich zu seinen Ungunsten entschiedenen Kampf schließlich nur den 5. Platz.

Während des Kampfes ...

Während des Kampfes …

Aufgrund mehrfacher Verletzungen an beiden Daumen – der linke war zweimal gebrochen, der rechte sogar dreimal – hängte er im zarten Alter von 14 Jahren daher den Boxsport zunächst für einen Zeitraum von 2 Jahren „an den Nagel“, hielt sich in der Zeit aber weiterhin im Fitnessstudio mit Bodybuilding fit.

Den Kampf am Samstag gewann Jann in der 3. Runde durch technisches KO (TKO). Allerdings führte er direkt in der 1. Runde mit Punkten, bereits in der 2. Runde wurde sein Gegner Sergei Vib vom Ringrichter angezählt, konnte sich aber zunächst noch in die 3. Runde hinüberretten. Auch ihm gilt unser Respekt, da er sich trotz Janns überlegenem Kampfstil zäher als erwartet auf den Beinen halten konnte.

In der Ecke mit dem Ringrichter

In der Ecke mit dem Ringrichter

Der Vater von Jann ist Christoph Kulik und in Fachkreisen als die personifizierte „Waage“ vor jedem größeren Box-Event im Ruhrgebiet und Umgebung bekannt. So lag das Boxen für Jann natürlich als Wunschsportart nah. Nach der Trennung seiner Eltern entschied Jann sich bei seinem Vater zu bleiben, die Beiden sind quasi unzertrennlich.

Der Gegner muss einiges aushalten ...

Der Gegner muss einiges aushalten …

Neben dem Boxen nimmt sich Jann aber noch viel Zeit für anderes, z.B. zählt Kochen und Backen zu den liebsten Hobbies des 16-jährigen. Am liebsten kocht er asiatisch, was sicherlich auch an dem letzten Urlaub mit seinem Vater in Thailand zusammenhängt. Das Kochen habe er als er noch klein war, von der Oma gelernt, wie er sagt.

Ansonsten fährt er gerne Ski oder geht Laufen. Und im letzten Sommer entdeckte er das alten Rennrad seines Vaters im Keller und hat mit diesem gleich an einem Wochenende die „Tour de Ruhr“ gemacht, von der Quelle aus in Winterberg bis sie in der Nähe von Duisburg in den Rhein mündet.

Rappelt er sich noch einmal auf?

Rappelt er sich noch einmal auf?

Neben diesen ganzen Aktivitäten ist Jann – kaum zu glauben – auch noch ein sehr guter Schüler, der fast nur Einsen schreibt. Seinen Vater jedenfalls fasziniert die Selbstdisziplin seines Sohnes, um nicht zu sagen, dass diese Einstellung ihm selbst das Alltägliche sehr erleichtert.

Auch in Richtung Lebensplanung ist Jann vermutlich so manchem Gleichaltrigen etwas voraus: sein aktueller Berufswunsch sei Maschinenbauingenieur wie er sagt, nachdem er sich zuvor aber auch schon mal als Jurist oder Umweltingenieur gesehen habe.

Das war´s!

Das war´s!

Wir sind jedenfalls weiterhin sehr gespannt und werden Jann beobachten, wie es mit ihm weitergeht, sowohl hinsichtlich seiner Karriere als Boxer als auch privat.

Was das Boxen angeht, meint Jann, werde sein Trainerteam bestehend aus Sebastian und Robert Tlatlik nun zunächst alles Zukünftige weiter planen, das Ganze soll schließlich auch Spaß mit sich bringen. Und jetzt kommt als nächster Termin als allererstes Weihnachten!

In diesem Sinne ganz herzlichen Glückwunsch von uns und weiterhin viel Erfolg!

Nach dem Kampf … Interview mit Samy Musa

Schließen wollen wir unsere Nachbetrachtung zu Samstag mit dem Interview von Samy Musa (First Punch Boxpromotion) beschließen. Auch er hat am letzten Samstag seinen Kampf gegen Jay Spencer gewonnen. Wir gratulieren ganz herzlich!

Samy, wie war Dein Kampf?

Samy mit Jay Spencer beim Wiegen, Pressefoto

Samy mit Jay Spencer beim Wiegen, Pressefoto

Mit Jay Spencer hatte ich am Samstag schon einen extrem starken Gegner. Mit einem 10-0 Record, d.h. 10 Profikämpfe, allesamt siegreich bestritten, war Jay die bisher größte Herausforderung für mich im Profi-Bereich. Er galt als sehr schlagstark, aber auch körperlich äußerst stark. Es war daher wichtig für mich, meine eigene Linie durchzuziehen und mich nicht irritieren zu lassen. Trotzdem war ich die ganze Zeit davon überzeugt, dass ich den Kampf für mich entscheiden würde. Ich will nicht arrogant klingen, aber ich war mir wirklich von Anfang sicher, das „Ding nach Hause zu fahren“.

Was war für Dich die brenzligste Situation am Samstag?

Vor dem Kampf in der Kabine mit dem Cutman

Vor dem Kampf in der Kabine mit dem Cutman

Ich habe mich ein bis zwei Mal auf einen Schlagabtausch eingelassen, der von Jay initiiert wurde. Darauf hätte ich mich eventuell nicht einlassen sollen im Nachhinein, da hätte ich meines Erachtens intelligenter reagieren können in der Situation. Währenddessen war ich nicht so sicher auf den Beinen, meine Qualitäten im Kampf liegen halt ganz woanders.

Es geht in den Ring ...

Es geht in den Ring …

Ich habe dann mehr auf meine Beinarbeit geachtet und quasi den Rückwärtsgang eingelegt. Mir liegt es eher, aus der Distanz zu boxen und ich habe mir während des Kampfes daher ab dem Zeitpunkt immer wieder eine entsprechende Distanz zu meinem Gegner zu verschaffen. Spencer hingegen hat den Schlagabtausch geradezu gesucht, er wollte sich definitiv richtig kloppen.

Woran wirst Du in der nächsten Zeit arbeiten bei Deinem Training?

Sonntag hatte ich erst einmal Ruhetag, ab Montag habe ich wieder mit ein wenig Seilchen springen begonnen und ich werde auch etwas auf den Heimtrainer gehen, ein bisschen Konditionstraining mit leichtem Schwitzen halt, aber eher so ein allgemeines Training, nichts spezielles.

Während des Kampfes mit Jay Spencer ...

Während des Kampfes mit Jay Spencer …

Steht der nächste Kampf schon fest?

Das ist witzig, ich habe direkt in der Nacht nach dem Kampf geträumt, dass ich Chris (Jan Christoph Jasczsuk von First Punch Boxpromotion) gefragt hätte, wann ich denn nun wieder kämpfen kann. Und Chris hat daraufhin gesagt, „Junge, ruh Dich erstmal aus und genieß ein wenig die freie Zeit und Deinen Sieg!“. Aber ganz ehrlich, ich weiß es wirklich noch nicht, ein genaues Datum steht aktuell nicht fest, voraussichtlich kämpfe ich aber wieder im Februar oder März 2016, mal schauen.

In der Ecke … Beratung mit Cutman und Jan Christoph

Die Atmosphäre am Samstag war schon toll, es waren viele Freunde von mir dort, um den Kampf zu sehen. Und das erste Mal sind auch meine Mutter und meine Schwester zu einem Kampf von mir als Zuschauer gekommen. Die Tatsache dass ich im Klitschko Vorprogramm kämpfen durfte und die tolle überwältigende Kulisse bei so einem Event haben mich richtig motiviert. Ich habe mir den Kampf von Robert (Tlatlik) schon in der Kabine vorher im Livestream angeschaut und habe die Atmosphäre insgesamt sehr genossen. Nach meinem Kampf wollte ich dann jedoch zu meiner Schwester und meiner Mutter sowie zu meinen Freunden auf die Tribüne gehen. Dies ging jedoch nicht aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen, welche wegen der vorangegangenen Terroranschläge in Paris bei dem Event herrschten. Sobald ich daher den mir zugeteilten Bereich verlassen hatte, musste ich das Stadion leider ganz verlassen. Dies war mir dann schließlich zu „blöd“, ich bin stattdessen nach Hause gefahren, habe mir eine Pizza beim Italiener geholt und habe mir die letzten beiden Runden vom Klitschko Kampf dort in der Pizzeria zusammen mit einigen Freunden angesehen.

Wie hast Du Dich nach dem Kampf am Sonntag gefühlt?

Gewonnen!

Gewonnen!

Insgesamt habe ich nur drei Stunden geschlafen, ich hatte mich noch später am Abend mit ein paar Kollegen getroffen, die auch im Stadion waren, die ich dort aber nicht gesehen hatte, und wir haben noch etwas gefeiert. Obwohl ich daher erst gegen 6.30 Uhr eingeschlafen bin, war ich am Sonntag morgen eigentlich relativ früh wieder wach, bin dann tagsüber schließlich nach Düsseldorf gefahren, war dort in der Stadt und bin lecker essen gegangen und habe ein wenig das Leben genossen.

Jetzt werde ich mich etwas ausruhen in den nächsten Tagen und den verlorenen Schlaf nachholen, vor dem Kampf habe ich nämlich ziemlich schlecht geschlafen aufgrund der Anspannung, ich war unruhig und bin in der Nacht unzählige Male auf der Toilette gelaufen, da ich zu viel getrunken hatte am Abend vorher und natürlich aufgrund meiner Nervosität.

Nach dem Kampf mit Cutman und Jan Christoph (First Punch)

Nach dem Kampf mit Cutman und Jan Christoph (First Punch)

Danke Samy für das Interview, herzlichen Glückwunsch noch einmal und habe eine entspannte Zeit!

Nach dem Kampf … Interview mit Patrick Korte

Hallo Patrick, herzlichen Glückwunsch auch Dir zu Deinem Sieg im Vorkampf bzw. Eröffnungskampf zum Klitschko Event am letzten Samstag! Lassen wir das Ereignis noch einmal Revue passieren …

Wie hast Du Dich auf Deinen Kampf vorbereitet?

Danach3

Patrick mit seinen Trainern Sebastian Tlatlik + Frank Rose nach dem Sieg

Die Vorbereitungszeit war diesmal wirklich hart, ich habe sehr viel trainiert mit meinem Trainer Sebastian Tlatlik und nach Franks Vorgaben habe ich meine Kondition deutlich verbessert. Besonders brenzlig wurde es, als ich noch eine Woche vorher beim Sparring eine Augenverletzung erlitt. Ich habe einen Handschuh ins Auge bekommen, was zu einer Abschürfung der Hornhaut führte. Ich konnte ein paar Tage lang fast nichts sehen auf dem Auge, pünktlich zum Kampf war zum Glück aber wieder alles ok. Es hat mich nicht mehr beeinträchtigt dabei. Ich war natürlich aufgrund der Größe der Kulisse und des Publikums am Samstag schon extrem nervös vorher. Ich hatte direkt um 19 Uhr den ersten Kampf, den sogenannten Eröffnungskampf. Zu dem Zeitpunkt war schon ein Teil der Leute da, zum Glück noch nicht alle, aber so 500 – 600 Leute waren bestimmt anwesend und haben zugesehen.

Patrik mit Frank beim Tappen

Patrick mit Frank beim Tapen

Ich habe aber trotzdem gut geschlafen in der Nacht davor, am Samstag selbst habe ich tagsüber noch Baby gesittet bis 13 Uhr und auf unsere beiden Kleinen aufgepasst bis meine Frau schließlich um 13 Uhr von der Arbeit nach Hause kam. Das war sogar ganz gut, so war ich wenigstens abgelenkt und konnte mich nicht weiter in meine Nervosität hereinsteigern. In der Kabine habe ich mich dann mit Sebastian erst noch warm gemacht bevor es losging. Wir waren generell etwas unter Zeitdruck, da wir in dem Gewühle dort relativ langwierig einen Parkplatz suchen mussten und ja direkt den ersten Kampf hatten. Daher haben wir sofort losgelegt mit dem Tapen etc. Bei mir wurden die Tapes nicht extra kontrolliert, da ich keinen Titelkampf bestritten habe. Aber generell werden immer für jeden Kämpfer neue Handschuhe vor dem Kampf ausgegeben, meine waren etwas eng am Daumen geschnitten, das war nicht ganz optimal, jedenfalls würde ich mir die persönlich nicht selbst kaufen in der Größe.

Mit Sebastian beim Aufwärmen in der Kabine

Mit Sebastian beim Aufwärmen in der Kabine

Wie war der Kampf selbst?

Mein Gegner Jens Leicht ist erst am Abend vor dem Kampf angereist, wir haben uns daher im Ring zum Kampf das erste Mal „live“ gesehen. Er wurde im Hotel nachgewogen am Freitagabend. Er sollte schon letztes Mal gegen mich kämpfen, da hat er aber kurz vorher abgesagt. Letztlich muss man ihm wirklich zugute halten, dass er nun der erste Gegner von mir war, der den Augenkontakt während des gesamten Kampfes gehalten hat und sich seiner Sache anfangs sogar ziemlich sicher war. Er dachte wohl, mit meinem ersten Schlag, das wäre Zufall. Der Kampf war mit unter einer Minute ziemlich kurz, aber bei mir hat einfach jeder Schlag gesessen. Jens ist zunächst einmal zu Boden gegangen, hat sich aber wieder aufgerappelt und anschließend noch mehrfach im Stehen einen Schlag von mir abgekriegt, da torkelte er schon. Als der Ringrichter dies bemerkte, hat er den Kampf aufgrund TKO (= technischem KO) abgebrochen. Der Ringrichter musste ihm erklären, dass der Kampf zu Ende sei, das hat er gar nicht mehr realisiert und der Ringrichter musste ihn schließlich in seine Ecke zurückbringen, da er diese allein augenscheinlich nicht mehr wieder gefunden hätte.

Es beginnt ...

Ecke … mit Sebastian und Frank

Der Abbruch zu dem Zeitpunkt war aber wirklich besser, er wäre danach nur zum zweiten Mal gefallen und hätte sich nicht mehr aufrappeln können. Das TKO wird grundsätzlich aus gesundheitlichen Gründen für den Unterlegenen ausgesprochen, es wird in dem Fall zeitig abgebrochen, um diesen zu schonen und zu verhindern, dass er bleibende Verletzungen oder Schäden davon trägt, wenn ohnehin klar ist, dass er dauerhaft zu Boden gehen wird.

Ecke2Die Veranstaltung als solche war schon ein Mega-Event, in dieser Größenordnung habe ich das noch nicht erlebt. In der Esprit Arena spielt ansonsten Fortuna Düsseldorf Fußball, es ist eine sogenannte Multifunktionshalle. Es waren eine Menge Prominenter vor Ort. Wir waren während der Vorkämpfe ganz vorne direkt am Ring, hinterher wurden wir leider auf die Tribüne verbannt, als der Hauptkampf begann. Ich bin aber trotzdem bis zum Schluss dageblieben und habe mir auch Klitschko gegen Fury angesehen. Meiner Meinung nach war Fury nicht schlecht, aber Klitschko hat es ihm auch extrem leicht gemacht, der war diesmal nicht gut vorbereitet oder hatte einen schlechten Tag. Ich hätte gedacht, das Klitschko gewinnt, eigentlich fast bis zum Schluss … aber es war schließlich ein faires Punkteurteil für Fury, es sah nicht abgesprochen aus. Überhaupt haben die Beiden sehr fair gekämpft, sportlich, haben nicht blind draufgehauen auf den Anderen und es gab offensichtlich keinerlei Weltmeisterbonus, sondern es wurde komplett neutral gepunktet.Frank

Wie hast Du den Sonntag, den Tag nach dem Kampf verbracht?

Den Sonntag habe ich ganz relaxt mit meiner Familie verbracht, eigentlich fast wie immer, einfach ein ganz normaler entspannter Sonntag. Schön war, dass ich endlich wieder essen konnte, was ich wollte. Ich habe sonntags ohnehin meinen sogenannten „Cheat Day“, d.h. ich darf essen, was ich will. Ich mache immer 6 Tage lang Diät und sonntags habe ich dann quasi „frei“. Aber diesmal war ich zudem völlig ohne Anspannung, das war besonders angenehm. Vor dem Kampf habe ich mich schon die letzten 6 – 4 Wochen in einem extremen Kampfmodus befunden und die Anspannung wuchs langsam, je näher der Kampf rückte. Ich mache jetzt erst einmal eine Woche lang komplett Pause, ein Cheat Day nach dem anderen (lacht) und beginne danach wieder mit einem lockeren Training bis Ende des Jahres. Am 12. Februar ist voraussichtlich mein nächster Kampf angesetzt, er findet wieder in Essen im Recover Fight Club statt.

Kurze Beratung ...

Kurze Beratung …

Bist Du zufrieden mit dem Kampf?

Grundsätzlich ja, auch wenn ich mir vielleicht einen etwas stärkeren Gegner gewünscht hätte. Ansonsten bin ich aber wirklich sehr zufrieden und kann auf das Jahr 2015 als ein erfolgreiches Jahr im Boxen zurückblicken. Netterweise hat Jens Leicht im Anschluss an den Kampf auch noch einen sehr netten Post auf Facebook hinterlassen, in welchem er formuliert, dass man in Deutschland von mir sicherlich zukünftig noch einiges zu sehen bekommen wird.

Gegenüberstellung

Gegenüberstellung

Ursprünglich war als mein Gegner Moses Distino vorgesehen. Dieser hatte erst eine ziemlich „große Klappe“ und hat dann plötzlich am Tag vor dem Wiegen am Freitag einen Rückzieher gemacht. Ich war schon etwas verwundert, seine Freundin hatte mich noch am Abend vorher auf Facebook mit einem seltsamen Post in schlechtem Deutsch beleidigt, was ich erst gar nicht verstanden hatte. Sie behauptete, ich würde Steroide nehmen und ihr Freund würde mich eigentlich umhauen, das wäre nur eine Kopfsache bei ihm. Am nächsten Morgen auf der Waage war er dann nicht anwesend, aber da hatten meine Trainer zum Glück schon den Ersatzmann besorgt. Das war schon ein sehr unfaires Verhalten. Jeder von uns ist vorher angespannt, vor allem bei einem Kampf in der Größenordnung. Aber so kurzfristig abzusagen ist sowohl gegenüber dem Gegner als auch dem Publikum äußerst unfair. Viele meiner Freunde hatten Karten gekauft und die waren diesmal nicht gerade billig. Ich musste da ja schließlich auch durch, die Anspannung etc, das bleibt keinem von uns erspart, so etwas ist feige.

Gewonnen!

Gewonnen!

Mit dem Timing das war sowie etwas problematisch: da ich direkt den Eröffnungskampf um 19 Uhr hatte, aber auch erst ab 19 Uhr Einlass war und dies nach den verschiedenen Blöcken aufgeteilt wurde, war mein Stiefvater beispielsweise leider erst gegen 19.30 Uhr in der Halle. Zu dem Zeitpunkt war mein Kampf aber schon vorbei. Die meisten meiner Kumpels haben den Kampf aber zum Glück noch mitbekommen. Und dafür, dass aufgrund der vorangegangenen Terroranschläge in Paris angeblich die höchste Sicherheitsstufe bei dem Event herrschte, waren die Kontrollen eigentlich ein Witz. So herrschte schon ein gewisses Chaos. Aber es fand trotzdem keine Einzelpersonenkontrolle statt, man konnte einfach so mit seinem PKW in das Parkhaus fahren. Beim Event selbst waren jedoch nicht vorher angemeldete Personen nicht zugelassen. Die Lage ist allgemein zur Zeit schwierig … letztlich wird man meines Erachtens gut geplante und vorbereitete Zwischenfälle bei derartigen Veranstaltungen leider kaum vollständig verhindern können. Die Veranstalter und die Polizei müssen sich erst an diese neue Situation gewöhnen und sinnvolle Konzepte finden. Wenn ich da nur an die ganzen Weihnachtsmärkte zur Zeit denke, am besten ist es immer, selbst wachsam zu sein und die Augen offen zu halten! Das ist mein persönlicher Tipp als Fachmann auf dem Gebiet.

Das Team!

Das Team!

Danke Patrick für Deinen ausführlichen Bericht, und jetzt genieß die freie Zeit, viel Spaß!

 

Nach dem Kampf … Interview mit Robert Tlatlik

Auch in der Nachschau zu dem Event am Samstag haben wir unsere drei Kämpfer wieder interviewt und wollten von Ihnen wissen, wie sie es erlebt haben und ihre eigenen Kämpfe so gelaufen sind. Wir beginnen mit Robert Tlatlik, der am Samstag den Titel des Deutschen Meisters im Superleichtgewicht des BDB gewonnen hat:

Robert, wie fühlst Du Dich vor Deinen Kämpfen?

Robert nach dem Sieg mit seinem Trainer Stefan Freudenreich

Robert nach dem Sieg mit seinem Trainer Stefan Freudenreich

Oh, das ist von Kampf zu Kampf unterschiedlich, aber mittlerweile weiß man ja, was auf einen zukommt. Die Zeit kurz vor dem Kampf ist eher unspektakulär, ich schlafe etwas in der Kabine während der Wartezeit und versuche mich, zu entspannen. Glücklicherweise gab es am Samstag eine klare zuvor festgelegte zeitliche Abfolge. Man weiß daher genau, wann man dran ist. Ich habe mir noch die Kämpfe vor mir angesehen und bin dann langsam in die Kabine gegangen. Der Unterschied dieses Mal war, dass der gegnerische Trainer sich in der gleichen Kabine aufhielt und sich angeschaut hat, wie die Bandagen gewickelt wurden. Da es sich bei mir um einen Titelkampf handelte, kam zudem ein Delegierter vom BDB (= Bund Deutscher Berufsboxer) vorbei und zeichnete die Bandagen ab, d.h. diese werden an mehreren Stellen unterschrieben vom ihm, so dass sie nachträglich nicht mehr verändert werden können.

Weshalb wird dies so gemacht bei den Bandagen?

Robert mit Frank Rose, Heilpraktiker aus Düsseldorf

Robert mit Frank Rose, Heilpraktiker aus Düsseldorf

Na ja, sie schauen, dass man z.B. kein Hufeisen mit einwickelt (lacht), nein im Ernst, es gibt gewisse Regeln, man darf beispielsweise nicht auf nackter Haut tappen und insbesondere die Schlagflächen dürfen nicht getappt werden, dort müssen als erste Schicht Mullbinden drauf. Ich vermute, die Hand würde ansonsten härter, zumindest an der Schlagfläche auf den Knöcheln. Insofern wird aufgepasst, dass die Regeln eingehalten werden durch die Delegierten. Diese zeichnen auch ab, wenn die Handschuhe geschlossen werden vor dem Kampf. Sie dürfen danach nicht mehr geöffnet werden. Natürlich darf man auch keine eigenen Handschuhe benutzen. Dies läuft folgendermaßen ab: am morgen vor dem Kampf werden die jeweils passenden Handschuhe für den jeweiligen Kämpfer ausgewählt, dieser kann sie dann anprobieren etc. und im Anschluss werden die Handschuhe dem Delegierten vom BDB mitgegeben und erst direkt vor dem Kampf am Abend wieder an den Boxer herausgegeben, so dass diese auf gar keinen Fall in irgendeiner Weise manipuliert werden können. Die Handschuhe sind daher immer neu und ungebraucht und sitzen schön eng, das ist meines Erachtens ein großer Vorteil, auch die Qualität war am Samstag gut. Die eigenen Handschuhe sind ja vom jahrelangen Training meist ohnehin schon völlig „weich“ geboxt, diese zu benutzen hätte daher auch unter dem Blickwinkel der Eingewöhnung meiner Meinung nach keinen Sinn.

Nach diesem Prozedere habe ich mich in der Kabine warm gemacht und noch anhand von ein paar Übungen mit meinem Trainer Stefan Freudenreich auf den Kampf vorbereitet, bis ich schließlich aufgerufen wurde und dann war es auch schon soweit!

Bist Du vor dem Kampf aufgeregt gewesen?

Einzug in den Ring, Stefan Freudenreich

Einzug in den Ring, Stefan Freudenreich

Nein, ich bin ehrlich gesagt nicht mehr aufgeregt vorher. Ich habe schon über 100 Kämpfe in meinem Leben bestritten, man gewöhnt sich daran, vor allem an die schönen Dinge, an die tolle Atmosphäre und vor allem wie am Samstag daran, vor einer derartigen Kulisse zu kämpfen. Das passiert natürlich nicht alle Tage. Bei einem Kampf von Klitschko handelt es sich europaweit immer um die größten Veranstaltungen im Boxbereich, das zeigt sich schon an der Größe des Stadions. Die Esprit-Arena wird eigentlich als Fußballstadion genutzt, es war zudem alles von vorne bis hinten durchorganisiert und geplant. Es sind dort zig Leute vor Ort, die dies alles organisieren und verantwortlich dafür sind, dass es reibungslos läuft. Und aufgrund dessen funktioniert dann auch alles „wie geschmiert“. Unten ist stets ein VIP Bereich mit allerlei Prominenten, Schauspielern etc. die man aus dem Fernsehen oder Kino kennt, Axel Schulz moderiert in der Regel und dieses Mal ist noch Rod Stewart aufgetreten und im Anschluss saß er selbst dort unten am Ring und hat zugeschaut.

Wie war der Kampf selbst?

Während des Kampfes mit Said Rahimi

Während des Kampfes mit Said Rahimi

Der Kampf war gut, ich bin wirklich zufrieden. Natürlich habe ich mir diesen im Nachhinein in der Aufzeichnung noch einige Male kritisch angeschaut und selbstverständlich sieht man selbst immer noch an der ein oder anderen Stelle Verbesserungspotential und findet etwas, was man noch besser hätte machen können. Aber insgesamt ist der Kampf schon sehr gut gelaufen, ich habe mich von Runde zu Runde etabliert, 2 Runden habe ich zwar an meinen Gegner abgegeben, aber in der 3. Runde habe ich meinen Gegner bereits so angeschlagen, dass er angezählt wurde. Der Kampf war auf 10 Runden angesetzt, jedoch hat der Ringrichter den Kampf schließlich in der letzten Runde abgebrochen wegen TKO, das heißt „Technisches KO“. Dies bedeutet, dass der Gegner nicht mehr kann und es abzusehen ist für den Ringrichter, dass dieser quasi „fertig“ ist. Mein Gegner war schon ganz wacklig auf den Beinen, es war deutlich erkennbar, dass dieser nicht mehr weiter boxen können würde und sich auch nicht mehr gegen mich würde wehren können. Ein technisches KO sprechen die Ringrichter heutzutage überwiegend aus gesundheitlichen Gründen für den Unterlegenen aus. Es muss nicht mehr ein ganz schweres KO erzielt werden, wie in alten Zeiten.

Der Trainer fiebert mit!

Der Trainer fiebert mit + Cutman Vincent Van Popp kniet davor in Startposition …

So ein technisches KO wird aufgrund der subjektiven Einschätzung des amtierenden Ringrichters ausgesprochen. Dieser hat das Wort und trifft die Entscheidungen, er ist am nächsten dran und wenn er sieht, dass der Unterlegene nicht mehr kann, hat er das Recht, ihn aus dem Kampf rauszunehmen, damit dieser keine unnötigen Schläge mehr kassieren muss. Natürlich würde man selbst als voraussichtlicher Sieger meistens gerne noch etwas weiter kämpfen, um einen eindeutige Sieg für das Publikum zu erringen. Aber diese Entscheidungen sind schon vernünftig. Und selbstverständlich sind die Entscheidungen der Ringrichter nicht willkürlich, sondern diese haben genug Routine und Kampferfahrungen, um sie treffen zu können. Auch werden diese im Nachhinein nochmals kontrolliert und der ein oder andere hat „ein Auge darauf“.

Was sagst Du zu Deinem Gegner?

Gewonnen!

Gewonnen … mit Referee Jürgen Langos!

Said Rahimi war mir völlig unbekannt vorher, ich habe ihn „live“ das erste Mal auf der Waage gesehen. Aber nach dem Kampf haben wir uns noch ganz nett unterhalten, er scheint ein netter Typ zu sein und machte einen sehr freundlichen und sympathischen Eindruck. Auf der Waage habe ich gleich gesehen, dass dieser vom Körperbau her ziemlich durchtrainiert aussah, man nennt dies „trocken“ vom Körper her, d.h. man konnte die Bauchmuskulatur etc. deutlich hervortreten sehen, er hat einen sehr definierten Körper im Gegensatz zu mir jedenfalls (lacht wieder), was für das Boxen eher untypisch ist. Zumindest kommt es glücklicherweise nicht darauf an, sondern darauf wer am besten boxt!

Vor dem Kampf gibt es in der Regel kein näheres Kennenlernen mehr, man sieht sich am Tag vorher morgens beim offiziellen Wiegen, steht sich kurz gegenüber und schaut sich in die Augen beim sogenannten „stare down“, guckt gemeinsam in die Kamera für das Pressefoto und danach sieht man sich erst im Ring wieder zum Kampf. Näherer Kontakt ist zwar vorher nicht verboten, aber es besteht eigentlich kein Interesse daran auf beiden Seiten. Jeder ist für sich und beim Kampf sieht man sich halt wieder!

Was hast Du am Sonntag, dem Tag nach dem Kampf gemacht?

Nach dem Kampf mit Stefan Freudenreich und Jan Christoph Jaszczuk von First Punch

Nach dem Kampf mit Stefan Freudenreich und Jan Christoph Jaszczuk von First Punch

Ich habe erst mal ausgeschlafen, das war sehr schön. Zunächst war ich mit einem guten Freund Kaffee trinken und Kuchen essen, danach war ich natürlich bei meinen Eltern und musste dort nochmal alles vom Kampf am Samstag detailliert erzählen, ansonsten war es sehr entspannt wie immer mit meinen Eltern. Und abends war ich schließlich mit meiner Freundin lecker Steak essen und habe den Abend locker ausklingen lassen. Insgesamt war es daher ein sehr schöner ruhiger Tag.

Robert, wie geht es geht es jetzt weiter?

Zunächst habe ich den Winter über Kampfpause, die Uni steht wieder im Vordergrund, ich muss für zahlreiche Prüfungen lernen. Meinen nächsten Kampf plane ich daher erst wieder im Frühjahr, im März oder April, es gibt noch keine genauen Daten. Grundsätzlich gibt es zwar Wettkampfveranstaltungen schon im Januar oder Februar, aber das muss nicht sein, finde ich. Ich habe gerne über Weihnachten Pause, dann kann ich abschalten, habe ein bisschen Ruhe, um die Vorweihnachtszeit zu genießen. Ich brauche wirklich keinen Kampf am Heilig Abend oder so … apropos … jetzt muss ich auch los, der Weihnachtsmarkt wartet auch mich!

“Ich bedanke mich bei all meinen Sponsoren für die Unterstützung und die Ausstattung (ohne euch wäre das nicht möglich!), meinem Trainer Stefan für die harte Vorbereitungsphase, meinen Trainingspartnern und jedem der mich beim Kampf angefeuert hat und mir die Daumen gedrückt hat.”

Viel Spaß und herzlichen Glückwunsch auch von uns zum errungenen Deutschen Meistertitel im Superleichtgewicht des BDB!

Vorkampf Klitschko – Interview mit Robert Tlatlik

RobertMedallienDas dritte Interview haben wir mit Robert Tlatlik geführt, welcher ebenfalls im Vorkampf zum Klitschko Event am kommenden Samstag zu sehen sein wird. Robert ist 27 Jahre alt, 1,70 m groß und tritt mit einem Kampfgewicht von 63,5 kg, sprich in der Klasse des Superleichtgewichtes an. Er ist amtierender Deutscher Meister bei der GBA in seiner Klasse.

Robert, wie bist Du zum Boxen gekommen?

Eigentlich über einen Freund in der Grundschule, den ich später nach der Schulzeit wieder getroffen habe. Er hat mir von einem Jugendhaus erzählt, wo er öfter zum Boxen hinging und fragte mich, ob ich nicht auch mitkommen wolle. Ich bin der Einladung gefolgt und es hat mir direkt sehr viel Spaß gemacht. Letztlich bin ich sogar alleine weiter dort hingegangen ohne meinen alten Schulfreund. Nach einiger Zeit fragte mich der Trainer, welcher dort lediglich ehrenamtlich nebenbei tätig war, ob ich nicht direkt in den Verein eintreten möchte, den BC Essen Steele. Lustigerweise war mein Bruder Sebastian dort auch schon ohne mein Wissen eingetreten und so hatten wir beide fast gleichzeitig dieselbe Idee!

Da im Jugendhaus ansonsten niemand großartiges Interesse am Boxen hatte, ging ich also in den Verein und intensivierte mein Training, anfangs auf 2-3 mal in der Woche, dann 4 mal und schließlich habe ich sogar täglich trainiert. Ich war damals 14 Jahre alt und habe auch meine ersten Kämpfe bestritten. Ich weiß es noch genau: mein erster Amateurkampf fand im November statt und ich war eigentlich ziemlich erkältet, wollte aber auf keinen Fall den Kampf absagen. So war ich nicht großartig aufgeregt, da ich in erster Linie mit der Erkältung zu kämpfen hatte. Ich war gut vorbereitet und mein Trainer sagte mir, dass der Gegner ohnehin nicht gut sei, den würde ich direkt „weghauen“ seiner Meinung nach. Im Ring habe ich daher sofort „Vollgas“ gegeben und siehe da, in der dritten Runde war bei mir langsam die Luft raus. Ich habe den Kampf trotzdem nach Punkten in der dritten Runde gewonnen. Aber dies war mir eine Lehre, ich sagte mir „Nichts mehr überstürzen zukünftig!“.

Wie ging es weiter mit Deiner Karriere als Boxer, Robert?

Wir sind danach mit dem Verein viel auf sogenannte Sichtungsturniere gefahren, auf denen geschaut wurde, wer so da ist an Gegnern und wer gut gegeneinander kämpfen könnte. Ich habe zunächst die Bezirksmeisterschaften gewonnen für den Bezirk Rhein-Ruhr-Wupper, im Anschluss die Niederrheinmeisterschaft und qualifizierte mich dann für die Westdeutsche Meisterschaft. Bei meiner dortigen Teilnahme habe ich den ersten Kampf gewonnen, bin aber im Finale ausgeschieden: ich wurde also insgesamt zweiter und damit Westdeutscher-Vizemeister! Das war im Jahr 2003, also vor ca. 12 Jahren, also ich noch nicht ganz 15 Jahre alt war.RobertBoxen

Ich habe mich weiter vorbereitet und bin schließlich 5. bei den ersten deutschen Meisterschaften geworden, wo ich wirklich sehr starke Gegner hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich insgesamt 17 Kämpfe bestritten und habe damals nach Punkten verloren. Es folgten zahlreiche Lehrgänge bis zur Teilnahme an der NRW Auswahl sowie der Niederrheinauswahl, Vergleichskämpfe mit Gegnern aus verschiedenen anderen Bezirken, auch international in Polen oder Holland beispielsweise.

Dann bin ich wieder bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften angetreten, diesmal für Heidelberg in der Oberliga. Heidelberg war zu der Zeit Olympiastützpunkt. Ich war noch nicht volljährig und daher war dies damals noch etwas Besonderes in dem Alter, ich musste eine Einverständniserklärung meiner Eltern beibringen sowie ein Gutachten vom Arzt etc. Das klappte aber alles und so machte ich erste Liga-Erfahrungen, dann in der 2. Bundesliga, danach weiter in die 1. Bundesliga. Mit dem Verein in Velbert war ich einige Jahre am Stück hintereinander Deutscher Mannschaftsmeister – ich bin dies 2-3 Mal geworden – es war quasi zur Blütezeit des Vereins, Velbert war zu der Zeit sehr bekannt. Eine Saison lang wurde ich schließlich sogar an den Kölner Verein ausgeliehen, um noch mehr Kämpfe bestreiten zu können. Ich machte eine klassische Bundesligakarriere, nahm an Einzelmeisterschaften teil und war in der Nationalmannschaft aufgestellt. Wir reisten nach Russland, England, nahmen u.a. an internationalen Turnieren in Polen teil und vieles mehr. Es war insgesamt eine sehr interessante Zeit, in welcher ich viel herumgereist bin und jede Menge interessante Leute kennengelernt habe.

Weshalb bist Du schließlich von den Amateuren zu den Profis gewechselt?

In der Amateurzeit habe ich irgendwann die Motivation verloren, da dort leider keine Weiterentwicklung mehr möglich war. Es wurden die vor Ort ansässigen Internatsinsassen oder die Sportsoldaten bevorzugt bei der Auswahl für die Olympiamannschaft. Es gab daher keine realistische Chance, sich wirklich zu steigern oder zu verbessern.

Stattdessen hat sich die Möglichkeit ergeben, bei Stefan Freudenreich in Düsseldorf Profi zu werde. Ich habe ihm meine Situation geschildert und wir haben uns augenblicklich gut verstanden. Es hat einfach gepasst, wie man so schön sagt. Im Jahr 2011 habe ich  meinen ersten Profikampf in Essen bestritten im Vorprogramm einer MMA (Mixed Martial Arts) Veranstaltung. Dort bin ich bei meinem Debut gleich böse umgeknickt, ich hatte noch lange Probleme mit dem Knöchel im Nachhinein, habe aber trotzdem bis zum Ende weiter gekämpft und schließlich durch „KO“ gewonnen.

Wir haben mir dann immer neue Gegner gesucht, die ich auch geschlagen habe, die Vorbereitungen wurden intensiver und spezieller, man hat ausdauernder gearbeitet,  es war völlig anders als im Amateurbereich. Ich habe mich quasi „von Kampf zu Kampf gehangelt“, es wurden internationale Gegner eingeladen, die ich immer wieder besiegt habe. Schließlich habe ich um die Deutsche Meisterschaft gekämpft bei der GBA (German Boxing  Association), welche ich ebenfalls gewonnen habe. Ebenso wie jetzt am Samstag, wo es bei meinem Kampf wieder um die Deutsche Meisterschaft geht. Dieses Mal nur in dem ältesten Deutschen Boxverband, dem BDB = Bund Deutscher Berufsboxer aus Norddeutschland, d.h. dem wichtigsten Boxverband schlechthin in Deutschland.

Wie hast Du Dich auf den Kampf am Samstag vorbereitet?

Ich kämpfe am Samstag gegen Said Rahimi. Er ist genauso groß wie ich und 5. in der Rangliste. Er ist bekannt dafür, gerne „drauf zu hauen“. Aber ich bin wie immer gut vorbereitet, ich habe eine wirklich harte Vorbereitungszeit hinter mir und habe ein gutes Gefühl! Ich habe mich seit Wochen „gequält“ und freue mich jetzt einfach, dass ich endlich kämpfen kann! Es ist schon eine Kunst für sich, so auf den Punkt zu trainieren, dass man genau an dem Tag des Kampfes im Bestzustand ist und entsprechend abliefern kann. Das Training macht Spaß, es ist zwar hart, aber es bringt etwas!

Freudenreich ist sehr bekannt in der Düsseldorfer Boxszene, selbst viele ältere Herren haben in ihrer Jugend oft bei ihm trainiert und erzählen davon.

Möchtest Du noch etwas privat zu Dir sagen, Robert?

RobertHutNach dem Abitur habe ich zunächst ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und im Anschluss daran  noch ein Jahr im Kasino in Duisburg als Croupier gearbeitet, danach noch ein halbes Jahr als Aushilfe und zeitgleich „angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften“ studiert. Den Abschluss als Bachelor mache ich im nächstem Jahr.

Ich bin zwar in Polen geboren, in Oberschlesien, in der Stadt Königshütte. Ich fühle mich aber weder als Pole noch als Oberschlesier, sondern als Deutscher. Ich spreche Deutsch als beste Sprache, meine Eltern kommen beide aus Polen, ich habe die Sprache erst hier gelernt, aber Polnisch kann ich im Endeffekt nur reden, jedoch nicht wirklich schreiben.

Ich habe schon immer in Essen gelebt, wohne dort gerne und habe hier eine schöne Kindheit verbracht.  Im Boxen möchte ich weiterkommen, ansonsten habe ich mich beruflich noch nicht richtig entschieden, die Auswahl ist einfach zu groß.

Mein Onkel lebt seit einigen Jahren in Thailand mit seiner Familie, dort ist alles etwas entspannter als hier. Vermutlich liegt das am Wetter, es ist wärmer dort, das Leben spielt sich vorwiegend draußen ab, auf den Straßen. Den Leuten hier macht ihre Arbeit keinen Spaß, habe ich oft das Gefühl. Man kann dies beobachten, wenn man z.B. frühmorgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt: die Menschen sehen unmotiviert aus auf ihrem Weg zur Arbeit, sie lachen nicht oder kaum, sie sind nicht glücklich meiner Meinung nach.

Ich finde es daher schwierig, den richtigen Beruf zu finden. Im Casino zu arbeiten, hat viel Spaß gemacht, ich habe grundsätzlich kein Problem damit, 40 Stunden oder mehr in der Woche zu arbeiten. Nur leider war es ein Nachtjob, daher lebte man leider an der Familie und den Freunden vorbei.

RobertSingapurMeine Hobbys sind vor allem das Reisen, dafür spare ich hauptsächlich mein Geld. Es muss immer möglichst weit weg gehen, damit ich neue Kulturen kennenlerne und viele neue Eindrücke etc. gewinnen kann. Wenn ich zu Hause bin, gehe ich gerne ins Kino. Ich mag alle Richtungen, Action, Science Fiction oder auch Komödien. Mir gefällt dabei besonders die Atmosphäre im Kino, der Geruch nach Popcorn und das Ambiente. Empfehlen kann ich die Lichtburg hier in Essen, sie hat den größten historischen Kinosaal Deutschlands.